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Hörmal | 07.03.2021 | 07:45 Uhr

Alles braucht seine Zeit (Prediger 3)

Früher haben die Menschen gewusst: Alles hat seine Zeit.

Heute haben die meisten keine Zeit mehr.

Früher lebten die Menschen damit, dass alles seine Zeit braucht.

Heute verbrauchen viele ihre Zeit in einem Tempo, das ihnen die Luft nimmt.

Jedenfalls erlebe ich viele Menschen außer Atem. Mich oft eingeschlossen.

Dabei ist atmen zwischendurch gar nicht schlecht, um zu überleben.

 

Die leidige Pandemie kann eine Chance sein zu fragen: Wie gehen wir mit unserer Zeit um? Ist alles gut? Was will ich eigentlich noch im Leben? Eine Chance, manches zu resetten. Doch im Lockdown sind viele total gestresst. Was Beruf und Familie in dieser Zeit fordern, ist kaum zu bewältigen.

 

Manche machen die Digitalisierung dafür verantwortlich, dass sie laufend im Stress sind. Das Smartphone z.B. bestimmt nicht nur meine Körperhaltung und Wahrnehmung. Es beeinflusst auch längst, womit ich täglich meine Zeit verbringe. Die Inflation an Daten, Informationen, Bildern, Wortfetzen will verarbeitet werden. Eigentlich soll die Technik unser Leben erleichtern, damit wir Zeit gewinnen. Für uns. Die Waschmaschine oder der Geschirrspüler sind solche dankbaren Erfindungen. Aber die Möglichkeiten der digitalen Technik, das Affentempo ihrer Veränderungen, hängen viele ab und lassen sie kurzatmig zurück. Sie verlieren Zeit – an diese Technik.


Ich habe eine Weile gebraucht zu verstehen, dass die Digitalisierung weder für meine Kurzatmigkeit verantwortlich ist, noch für mein Problem, runter zu kommen. Verantwortlich bin allein ich selbst. Manchmal frage ich mich aber, wer eigentlich ein Interesse daran hat, uns abzulenken, dass wir nicht zur Ruhe oder besser: zum Nachdenken kommen?

 

„Alles braucht seine Zeit“ – der alte Satz aus der Weisheitsliteratur der Bibel hat es über zweieinhalbtausend Jahre bis in unsere Gegenwart geschafft. Der Satz beruhigt. Er relativiert alles. Er stellt klar: Unsere Welt, die Natur, unser Zusammenleben funktionieren „analog“. Die Behauptung, die Zukunft sei digital, wird die nächsten Jahre nicht überdauern. Und mit „Revolution“, wie uns ausgerechnet die Strategen einer neoliberalen Wirtschaft einreden wollen, hat Digitalisierung schon gar nichts zu tun. Sie verändert nichts an reich und arm, an oben und unten. Vielleicht eher im Gegenteil.

So wie Technik immer ihre Zeit hat und sich selbst überholt, so sicher brauchen wir Zeit, um zu verstehen, wer wir sind, und wie wir uns unsere Welt eigentlich wünschen.

Alles braucht seine Zeit. Ich wünsche Ihnen für den heutigen Sonntag: Zeit für sich!

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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