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Hörmal | 18.07.2021 | 07:45 Uhr

Und niemand regt sich auf

Ein Freund von mir kämpft seit Wochen ums Überleben. Nein, kein Corona. Seine Familie ist in doppelter Hinsicht in Not: Einmal, weil der Ehemann und Vater schwer erkrankt ist und zum anderen, weil die Besuchsregelungen in den Krankenhäusern durch die Corona-Situation unfassbar begrenzt worden sind. Das persönliche Trösten, Aufmuntern, das Begleiten durch vertraute Menschen: untersagt. Auf der Grenze zwischen Leben und Tod menschliche Nähe: verboten. Und niemand regt sich auf.

 

Ich werde als Seelsorger von Menschen angesprochen, die in dem zurückliegenden Jahr einen Angehörigen in Not allein lassen, allein sterben lassen mussten. Sie werden damit nicht fertig.

 

Eine Sache, die ich aus der Pandemie gelernt habe: Für Sterbende und deren Angehörigen gibt es keine politische Lobby. Die Pandemie offenbart, dass ein menschenwürdiger Umgang mit dem Sterben in unserem System nicht eingepreist ist. Es unterliegt ökonomischen Zielvorgaben. Innerhalb weniger Monate kann ein Impfstoff gegen Covid-19 entwickelt werden. Innerhalb von eineinhalb Jahren ist es aber nicht möglich, „Zwischen-Räume“ für eine menschliche Begleitung schwer Erkrankter und Sterbender zu organisieren.

 

Eine solche Forderung habe ich im politischen und medialen Raum nicht wahrgenommen. Hat das mal jemand durchgerechnet? Die inhumane Abschottung der Krankenhäuser und Seniorenheime wurde im öffentlichen Raum als alternativlos hingenommen. Selbst die Kirchen haben geschwiegen. Aufgrund ihres Selbstverständnisses hätten sie aber frühzeitig Partei ergreifen müssen. Ein völliges Versagen. Die Kranken, Sterbenden, ihre Angehörigen sind sich selbst überlassen. Darüber helfen auch gut inszenierte „Zentrale Gedenkveranstaltungen“ oder Gottesdienste nicht hinweg. Vor einer würdevollen Gedenkfeier für die Verstorbenen muss die Bewahrung ihrer Würde zu Lebzeiten stehen. Sonst wird es zynisch.

 

Ich sage am Ende nicht, was vielleicht klischeehaft von einem Seelsorger erwartet wird: dass die Verstorbenen bei Gott und wir Hinterbliebenen getröstet sind. Das wäre nicht nur zynisch. Das wäre billig. Natürlich sind die Verstorbenen bei Gott aufgehoben. Aber der Gott, an den ich glaube, der regt sich zumindest auf, wenn menschliche Schweinereien passieren. Gott hat immer Partei ergriffen für Menschen, die ausgeliefert sind und Hilfe brauchen. Gott ist immer ein Lobbyist der Schwächsten.

 

Vielleicht verhilft die Pandemie dazu, dass wir die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft noch mal neu wahr- und ernstnehmen. Da haben wir dann noch Einiges zu tun!

 

Einen guten Sonntag wünsche ich Ihnen! Und wenn es sein muss, regen Sie sich auf.

 

 

Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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