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Hörmal | 19.09.2021 | 07:45 Uhr

You‘ll never walk alone

Es hätte ein schöner Tag werden können - ein Abstieg bei angenehmen Temperaturen aus dem Hochgebirge ins Tal. Aber dann machen Erika und Helmut Simon am 19. September vor genau dreißig Jahren einen grausigen Fund: Im abtauenden Eis des Gletschers entdecken sie die sterblichen Überreste eines Menschen.

 

Der Tote entpuppt sich schnell als Sensation: Er liegt wohl seit 5000 Jahren unter dem Eis der Ötztaler Alpen, vermutlich ermordet. Für die Wissenschaft eine wahre Fundgrube, für die Touristik wird Ötzi zu einem Marketing-Schlager.

 

Auf über 3000 Metern liegt dieser Mann 5000 Jahre lang unter dem Eis verborgen. Wer die Geschichte hört, den fröstelt. Nicht wegen den eisigen Temperaturen, die längst nicht mehr so eisig sind. Und nicht wegen der schamlosen Zurschaustellung und Vermarktung von „Ötzi“.

 

Ich frage mich: Wer war dieser Mann, der einsam in großer Höhe erschlagen wurde? Wie hat er gelebt, was hat er gehofft? Ob es aufgefallen ist, dass er verschwunden ist? Ob jemand nach ihm gesucht hat?

 

„Allein. Wir sind allein. Wir kommen und wir gehen ganz allein.“ Es ist, als ob Reinhard Mey dieses Lied für Ötzi, den Toten aus dem Eis gesungen hat. Aber singt das Lied nicht auch von meinem Leben und meinem Sterben? Mich fröstelt.

 

In der Bibel stimmt einer ein anderes Lied an. Eine gegenteilige Erfahrung kommt zu Wort. Der Blick öffnet sich und weitet die Engführung des „allein“.

 

Auch in diesem Lied spiegeln sich Erfahrungen aus der Welt der Berge. Bis heute ein Ort mit unberechenbaren Risiken.

 

„Muss ich auch durch ein finst’res Tal, brauch‘ ich mich nicht zu sorgen.

Weil du an meiner Seite bist, mir nah, bin ich getröstet und geborgen.“ (Psalm 23)

 

Das Lied verschweigt nicht, dass es dunkle Täler gibt, Orte und Zeiten der Verunsicherung, der Ohnmacht und Angst. Manchmal geraten wir ganz unversehens in solche Täler. Manchmal ist es absehbar. In der dichterischen Sprachwelt der Bibel ist es das „Tal der Todesschatten“, die „Todschattenschlucht“.

 

Gerade hier gilt: Ich bin nicht allein. Nicht Angst und Enge, vielmehr Trost und Geborgenheit. Der Himmel und Erde gemacht hat, der Anfang und Ende heißt - Gott selber ist da, ist mir nah. Ich brauche das biblische Lied - weil ich es manchmal nicht glauben kann, nicht spüre.

Doch: Er ist da.

 

Auch wenn ich Reinhard Mey mag, der biblische Sänger ist näher an den vielstimmigen Chören in den Fußballstadien: „You‘ll never walk alone.“

 

Unter diesem Vorzeichen gehe ich in diesen Tag: „Walk on, walk on. With hope in your heart.“

  

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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