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Kirche in WDR 2 | 14.10.2021 | 05:55 Uhr

Dorfkind

Guten Morgen aus der Warburger Börde. Sie wissen nicht, wo das ist? Die Warburger Börde liegt im Südostwestfalen und grenzt an Nordhessen. Hier liegt auch das Dorf, aus dem ich komme: Hohenwepel. Ich bin auf einem Bauernhof aufgewachsen, und wenn wir als Kinder nicht auf dem Bauernhof helfen mussten, dann waren wir irgendwo im Dorf unterwegs. Wo genau im Dorf, wusste bei uns zu Hause niemand.

Damals also in den frühen siebziger Jahren, war dieses Dorf auch tagsüber noch ziemlich bewohnt. Es gab bei ungefähren 700 Einwohnern noch mindestens zwanzig landwirtschaftliche Betriebe, zwei Dorfschmieden, drei Lebensmitteläden, einen Bäcker und vier Kneipen. Außerdem eine große Kirche mit Pfarrhaus und Pastor. Tagsüber waren nicht wie heute nur die kleinen Flitzer der Pflegedienste oder ab und an die Post oder ein Pizzablitz im Dorf unterwegs. Es herrschte echte Betriebsamkeit.

In der Zeit, in der keiner bei uns zu Hause wusste, wo wir waren, sind wir auf Bäume geklettert und runtergefallen, haben in Feldscheunen auf Strohböden Bunde zu Höhlen gestapelt oder in einem benachbarten Feuchtgebiet Kaulquappen gefischt, damals noch kein Naturschutzgebiet, und wir wussten nicht, dass man das eigentlich nicht darf. Der Begriff Helikoptereltern war damals noch nicht erfunden, weil Kontrollmöglichkeiten wie WhatsApp oder ein schlichter Anruf von unterwegs technisch unmöglich waren. Einzige Fixpunkte waren das Mittagessen, immer um zwölf Uhr mittags, und das Abendbrot.

Als Dorfkinder und dazu noch als Kinder vom Bauernhof sind wir so gut wie nie in Urlaub gefahren. Eines meiner schlimmsten Erlebnisse war ein Ausflug auf die Libori-Kirmes in Paderborn, also der Rummel um das hiesige Fest des  Bistums-Patrons.  Da bin ich mal nur für eine kurze Zeit verloren gegangen, weil irgendein Mann den gleichen Anzug und ähnliche Schuhe trug wie mein Vater und ich als kleiner Junge meinem Vater nur auf meiner Augenhöhe folgen konnte. Ich schaute also irgendwo beim Autoscooter nach oben um Blickkontakt mit meinem Vater zu suchen. Ich sah dann einen fremden Mann den ich nie gesehen hatte und merkte dass ich plötzlich ganz alleine unter fremden Menschen in einer für mich fremden Stadt war.

Dieses Gefühl von Einsamkeit, Verzweiflung und Hilflosigkeit habe ich bis heute nicht vergessen. Meine Eltern hatten  mich übrigens nach einer knappen viertel Stunde wiedergefunden

Das alte Dorfkindgefühl und dieser kurze Liborimoment des Verlorengehens im Getümmel finden sich auch in meiner ganz persönlichen Glaubensgeschichte.

Diese Gefühle des Verloren seins und natürlich des Wiedergefunden werdens.

Das passiert mir im Alltag in Begegnungen, Gesprächen in Naturerfahrungen

Aber auch in einem spontanen Gebet.

Ich wünsche ihnen, dass sie nie verloren gehen und auch in ihrem Glauben Vertrauen und Heimat finden.

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