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Kirche in WDR 2 | 28.10.2021 | 05:55 Uhr

Jesus treibt die Händler aus dem Tempel

In alten katholischen Bauernhäusern hingen früher oft über den Betten oder in der guten Stube große schwarzumrahmte Bilder mit biblischen und religiösen Motiven. In unserem Wohnzimmer in meinem Heimatdorf Hohenwepel in der Warburger Börde gegenüber dem Saba Fernseher, damals noch ohne Fernbedienung, hing ein riesiger kupferstichartiger Druck mit dem Untertitel „Jesus treibt die Händler aus dem Tempel“. Dieses Bild kenne ich schon viel länger als irgendeine Geschichte aus der Bibel. Da ich ohne Vorbehalt und Vorkenntnisse darunter groß geworden bin, hat sich das Bild irgendwo ganz tief in mir selbstständig gemacht.

Zu sehen ist der riesige Tempel mit Gewölben und Säulen aller Art und jeweils zwischen den Pfeilern Tauben, Geflügel, Körbe, umherfliegende Münzen und rohe Eier. Als kleines Kind wusste ich, wie ein Wochenmarkt aussah und kannte Flohmärkte und Tapeziertische. Mitten in einem solchen Setting stand der voll angenervte Jesus, wild gestikulierend und ganz sicher schimpfend. Ja „verdammt noch mal!“, in meiner ganz persönlichen Vorstellung hat der aufgebrachte Jesus sogar geflucht. Eben kein liebstes Herzjesulein. Ganz im Gegenteil: Jesus räumt auf, weil ihm das ganze Getümmel zu weit geht.

Später hab ich dann natürlich mehrfach die originalen Bibelstellen in den verschiedenen Evangelien dazu gehört und gelesen. Als Jesus im Jerusalemer Tempel die Händler und Geldwechsler sitzen sah, trieb er sie der Überlieferung zufolge mit einer Geißel aus Stricken aus dem Tempel, stieß Tische um und verschüttete das Geld der Wechsler mit den Worten: „Macht meines Vaters Haus nicht zum Kaufhaus!“

Für mich war dieses Bild immer ein Bild von Aufbruch und Revolte. In meiner Jugendphase in den Achtzigern, der Zeit von Nato-Doppelbeschluss und Antiatomdemonstrationen hat mich dieser zornige Jesus regelrecht bestärkt. Endlich: Jesus der Menschensohn zeigt sich von seiner Menschensohnseite. Der Friedensaktivist aus der Bergpredigt wird handgreiflich. Überaus sympathisch.

Denn: Wem ist nicht schon mal die Hutschnur geplatzt?

Historisch und theologisch gibt diese Szene aus dem neuen Testament so viel her, dass sie meinen kleinen Beitrag hier sicher sprengen würde. Das alte Bild von der Tempelreinigung aus unserer Wohnstube aber ploppt, weil ich es seit meiner frühsten Kindheit sozusagen eingespeichert habe, regelmäßig vor meinem inneren Auge auf, wenn in Gesellschaft und Kirche etwas Unerhörtes passiert.

Die Liste der „No-Goes“ und Unerhörtheiten, die wir alle täglich unkommentiert hinnehmen, ist unendlich. Sicher ist es Zeit auch in der Kirche von heute mal ein paar Tische umzuwerfen.

Das alte Bild von der Tempelreinigung gibt es in meinem Elternhaus übrigens immer noch. Auch wenn es heute nicht mehr in ein modernes Wohnzimmer passt, tief in mir da wirkt es weiter. Gott sei Dank.

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