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Kirche in WDR 2 | 27.09.2021 | 05:55 Uhr

Am Grab von Frau F.

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende auch schon wieder rum. Tja. Und ich hab neulich an einem Montag einen Zettel in einen Hausflur gehängt. Und dann ist etwas ganz Fantastisches passiert. Aber mal von vorne:

Vor einigen Wochen hat ein Bestatter angerufen. Eine Frau, die in der Nähe der Agneskirche gewohnt habe sei gestorben. Die Stadt habe versucht Angehörige zu finden. Leider ohne Erfolg. Nun werde die Frau in ein paar Tagen anonym bestattet.

Das sind die traurigsten Beerdigungen, die man sich vorstellen kann. Auf dem Friedhof bin ich dann normalerweise ganz allein. Naja fast. Ein freundlicher Mitarbeiter der Friedhofsverwaltung ist dabei. Der fährt den Wagen mit der Urne. Der Mitarbeiter, die Urne und ich. Sonst niemand.

Diesmal habe ich es anders gemacht. Denn diesmal wusste ich, wo die Frau gewohnt hatte. Also bin ich an einem Montagmorgen zu dem Haus gegangen und habe einen Zettel in den Flur gehängt. „Liebe Nachbarinnen und Nachbarn“ stand da drauf, „Ihre Nachbarin Frau F. ist vor einiger Zeit gestorben. Am Donnerstag wird sie beerdigt. Ich freue mich, wenn Sie kommen.“ Einen ähnlichen Text habe ich im Internet gepostet.

Tja, und dann war was los. Ein paar Menschen haben mir geschrieben, weil sie sich nicht sicher waren, ob sie die Frau kennen. Eine Frau hat angerufen und erzählt, sie habe die Verstorbene auf einer Bank in der Mittagspause kennen gelernt. Und seitdem ganz oft angerufen. Viele Menschen haben die Geschichte geliket und geteilt. Und dann kam der Donnerstag – und ich war gespannt, wer dann frühmorgens auf dem Südfriedhof warten würde.

Ich war echt platt. Eine Nachbarin war gekommen. Sie kannte die Dame seit 18 Jahren. Sie hatte sich schwere Vorwürfe gemacht, weil sie nicht da war, als die Nachbarin gestorben ist. Sie hatte noch eine andere Nachbarin mitgebracht. Eine junge Frau aus dem Viertel war auch da. Sie hatte die Geschichte im Internet gelesen und war derart angerührt, dass sie einfach gekommen ist. Und dann war da noch ein Mann. Den hatte seine Tochter angerufen. „Du gehst doch eh jeden Tag zum Grab von Mama“ habe sie gesagt. „Dann gehst du um neun Uhr halt mal was früher.“ Dazu noch die Mitarbeiter vom Friedhof. Einer hat sogar die gehbehinderte Nachbarin in seinem Elektroauto bis zum Grab gefahren. Und da standen wir dann.

Und wir haben ein Bild der Verstorbenen zusammen getragen aus dem, was wir wussten. Sie war Lehrerin gewesen, hat fünf Sprachen fließend gesprochen, ist aus Berlin nach Köln gekommen, aus einem Grund, den wir uns nicht erklären konnten verarmt und vereinsamt. Manchmal sei sie zum Flughafen gefahren. Dort habe sie sich einen Kaffee gekauft und habe Touristen aus aller Welt etwas über Köln erzählt.

Tja, und da haben wir dann am Grab gestanden, erzählt und gebetet und eine kleine Wärmeskulptur gegen die Vergeblichkeit gebildet. Und ich habe nochmal neu verstanden, was Kommunion bedeutet. Das feiern wir ja jeden Sonntag. Kommunion ist, wenn jeder das gibt, von dem er gar nicht wusste, dass er es hat: Zeit, Geduld, Aufmerksamkeit, Empathie, Herzenswärme. Dann entsteht eine Gemeinschaft, die nicht nur sonntags trägt. Sondern auch an einem Montag. Und die wünsche ich Ihnen. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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