#
Aktuelles

Beiträge auf: wdr2 

evangelisch

Kirche in WDR 2 | 21.09.2021 | 05:55 Uhr

Wütender Gott

In meinem Büro steht immer noch ein Bautrockner. Nachwehen des Unwetters im Sommer.

Gott sei Dank ist es in meinem Büro nur gerade so nass geworden, dass es hoffentlich mit dem Aufstellen eines Bautrockners getan ist. Ich hatte Glück. Bei anderen steht ja nicht mal mehr das Büro.

 

Mich beschäftigt das. Auch jetzt noch , oder vielleicht gerade jetzt, wo es nicht mehr ums Überleben, sondern ums Weiterleben geht.

 

Was machen die Menschen dort jetzt? Wieder aufbauen, klar, aber woher kommt ihre Zuversicht.

 

Hiob hat auch ziemlich viele Schicksalsschläge einstecken müssen.

Und er ist deswegen extrem sauer auf Gott. Er fühlt sich ungerecht behandelt. Ich habe nichts getan, womit ich das verdient habe, sagt er.

 

Und das ist auch mein Reflex, wenn ich an die Menschen in den Flutgebieten denke: Wer hat Schuld? Es muss doch irgendeinen geben, den man für diese Katastrophe verantwortlich machen kann. Es müssen sich doch Gründe finden lassen, warum das alles passiert ist: Schlechte Warnsysteme, zu viele Flussbegradigungen, zu wenig Sickerflächen, Menschen, die die Lage falsch eingeschätzt oder zu lange weggeschaut haben.

 

Wer ist also schuld an dieser ganzen Katastrophe?

Menschen, ja. Wir alle irgendwie, weil wir zu viele Plastiktüten kaufen, Auto fahren und uns nicht um die Umwelt sorgen; aber warum trifft eine solche Katastrophe einige Menschen, viele andere aber nicht? Das ist doch ungerecht.

 

Oder, Gott?

Was ist mit dir? Bist du schuld? Hast du das alles zu verantworten, und wenn ja, was hast du dir dabei gedacht?

 

Gott antwortet darauf nicht. Mir jedenfalls nicht, obwohl ich Pfarrerin bin. Ich verstehe es genauso wenig wie Hiob und die Menschen, die so viel Unrecht trifft.

Und Gott, oder nennen wir ihn das Leben lässt sich einfach nicht vor Gericht ziehen. Er ist, was er ist, und wenn wir diese Flutkatastrophe anschauen, dann auch sehr unberechenbar und gefährlich.

 

Aber das ist nicht alles, was er ist. Er ist auch die Kraft, die Menschen, die vor dem Nichts stehen plötzlich kreativ werden lässt, die Kraft, die Mitgefühl und Nachbarschaftshilfe auslöst. Die Kraft, die uns was wagen lässt, obwohl alles dagegen spricht.

 

Die Suche nach Schuldigen, wenn etwas Schlimmes passiert ist, ist verständlich und sicher auch richtig, um eben alles Menschenmögliche zu tun, um Katastrophen vorzubeugen.

 

Aber das Gefühl, dass wir nicht alles in der Hand haben, wird dadurch nicht besser. Wir können zum Himmel schreien, und wütend sein. Wir können das alles ungerecht finden, und uns von Gott abwenden.

 

Oder wir erkennen an, dass Gott nicht mit sich rechten lässt. Warum auch immer.

Aber das ist nicht seine einzige Seite. Er ist auch die Kraft, die uns kräftig macht. Die, die seinen guten und inspirierenden Geist durch uns durch wehen lässt, so dass wir gute Ideen bekommen, mutig werden, und wieder aufbauen, obwohl wir wissen, dass es nicht für immer ist. Hiob übrigens erlebt, dass die Krise nicht das Ende ist. Das Gute kehrt in sein Leben zurück.

 

  

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

 

katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen