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Kirche in WDR 2 | 08.10.2021 | 05:55 Uhr

Beerdigung

Wieder mal auf dem Friedhof. Ein entfernter Bekannter ist gestorben. Viele Menschen sind da, um Abschied zu nehmen. Darunter ich. Ich stehe da, ziemlich am Rand der Menge und hänge meinen Gedanken nach. So wie die meisten.

Nicht zu überhören ist deshalb die kleine Gruppe von fünf mittelalten Herren. Sie stehen nur ein paar Meter von mir entfernt. Ich kenne sie nicht. Vielleicht Arbeitskollegen des Verstorbenen oder Nachbarn. Sie reden lautstark. Einer tut sich besonders hervor. Er hält einen langen Monolog über „die da“: Die Politiker. Die Banker. Die da oben. Die anderen nicken. Am lautesten und kräftigsten schimpft er aber über „die Ausländer“. Unüberhörbar. Und sehr unpassend. Das Nicken seiner Fans, aber auch das Schweigen der Umstehenden, scheinen ihn zu ermuntern. Immer wieder findet er neue Formulierungen für immer dieselben alten Vorurteile. Ich schaue auf die Uhr: Noch eine Viertelstunde bis die Trauerfeier losgeht. Oh Mann!

 

In diesem Moment dreht sich ein junger Mann zu der Gruppe um. Er lächelt den Redner an und sagt in einem sehr freundlichen Ton: „Ich habe mir das nun eine Weile angehört. Ich möchte nicht, dass Sie so reden. Meine Frau ist Türkin. Sie beleidigen mich. Hören Sie bitte auf damit.“ Huch. Das habe ich nicht erwartet. Jetzt geht das Geschimpfe los, denke ich. Aber nein. Die Männer starren auf den Boden. Beschämt, wie Kinder, die man erwischt hat, wie sie heimlich Schokolade aus Mamas Schublade klauen. Selbst der Redenschwinger bringt nur ein Stammeln hervor. Ähm, also. Ähm. Ja. Nein. Das war’s. Mehr nicht.

 

Zwei Dinge habe ich an dem Tag gelernt. Zum einen: Bestimmte Dinge nicht zu sagen, keine Vorurteile zu verbreiten, sich das Lästern und Schwadronieren zu verbieten, ist eine Frage des Respekts. Also das, was man manchmal „political correctness“ nennt. Man sagt bestimmte Dinge nicht, weil sie andere beleidigen. Und das zweite: Man muss verbale Entgleisungen nicht hinnehmen. Man kann etwas tun. Man kann widersprechen. Man kann das sehr freundlich tun und mit einem Lächeln. So wie dieser junge Mann. Ohne selber aggressiv zu sein. Das geht.

Jesus sagt einmal: Wer seinen Bruder oder seine Schwester beschimpft, der ist vor Gott schuldig (Mt 5,21+22). Wer abfällig über andere redet, wer über „die da“ schimpft und Hass schürt, der vergiftet nicht nur sein eigenes Herz, sondern auch das Miteinander. Seine abfälligen Worte prägen die Art und Weise, wie wir andere Menschen wahrnehmen, prägen die Art, wie wir miteinander umgehen. Und weil wir selber eben Teil dieses Miteinanders sind, können wir das nicht einfach so hinnehmen. Müssen es auch nicht. Man kann etwas tun. Man kann sagen: Entschuldigen Sie bitte. Ich möchte nicht, dass sie so reden. Schwer ist das nicht. Man muss es nur tun.

 

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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