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Hörmal | 07.11.2021 | 07:45 Uhr

Kein billiger Trost

Ich finde, wer andere tröstet, muss echt mutig sein. Also - nicht dieses kleine alltägliche Trösten wie bei Kindern: Jemand hat dir deine Schaufel geklaut – die holen wir uns zurück. Oder du bist von der Mauer gefallen, schnell ein buntes Pflaster aufs Knie. So was meine ich nicht. Da trocknen die Tränen schnell. Und man fühlt sich sogar noch gut dabei – Feuerwehr spielen im Kinderkosmos. – Und manchmal denke ich: Warum kommt Gott nicht in die Welt und bringt sie für uns als Erwachsene wieder in Ordnung? So wie wir die Kinderwelt. Schön wäre das.

Aber der Alltag ist anders und in der Erwachsenenwelt ist es viel schwerer mit dem Trösten. Denn dann geschehen Dinge, die weder mit einem Pflaster noch mit energischem Auftreten wieder gut werden. Dinge, die kein Geschrei hervorrufen, vielleicht sind nicht mal Tränen zu sehen: Wenn du betrogen worden bist – in der Liebe, in deinem Vertrauen auf einen Menschen. Oder wenn das Leben aus den Fugen gerät. Weil der Job weg ist - kein Geld mehr für Klamotten, Urlaub oder ein neues Fahrrad. Und schlimmer noch: Wenn eine Krankheit dich aus der Lebenskurve trägt, oder ein Unfall. Wie kann man dann trösten – ohne Floskeln nach dem Motto: „Kopf hoch! Wird schon wieder!“?

 

Wer tröstet, muss mutig sein, genau! Einfach da sein und das Leid teilen. Auch wenn man sich hilflos fühlt und selbst keine Lösung weiß. Erst recht nicht, wenn die Frage kommt: Warum ich? Warum lässt Gott das zu? - Fragen, die man auch gemeinsam stellen kann. So war es zum Beispiel neulich im Aachener Dom, bei der im Fernsehen übertragenen Gedenkfeier für die Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal und in all den anderen Regionen. „Gott war da, mitten in den Fluten“, hieß es in der Predigt. „Aber nicht als der, der auf den Flutknopf gedrückt hat, sondern als der, der mit den Opfern geschrien und gelitten hat.“ -

Keine leeren Trostworte, sondern der Klage Raum geben, darum ging es in der Feier. Und auch die Politprominenz bis hin zur Bundeskanzlerin saß still auf ihren Stühlen und hörte zu.

In der Bibel gibt es viele Psalmen, in denen die Menschen sich regelrecht streiten mit Gott. Trost und Inspiration bis heute. So hat etwa der Priester Stephan Wahl nach der Flutkatastrophe einen neuen Psalm geschrieben, den sogenannten Ahr-Psalm, der auch in Aachen vorkam: „Schreien will ich zu dir Gott, mit verwundeter Seele, doch meine Worte gefrieren mir auf der Zunge“, heißt es da. Und weiter: „So werfe ich meine Tränen in den Himmel, meine Wut schleudere ich dir vor die Füße.“ - Starke Worte, aber gut zu wissen, dass Gott auch „der Tröster“ genannt wird. Wer andere trösten will - oder selbst Trost braucht - ist nicht allein. Weder auf dem Spielplatz, noch am Krankenbett oder wenn der Boden unter den Füßen wegbricht.

 

Der Ahr-Psalm im Internet:

https://www.bistum-trier.de/fileadmin/user_upload/Ahr-Psalm_-_Stephan-Wahl_-_Hochwasser_2021.pdf

 

Redaktion: Sabine Steinwender-Schnitzius

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