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Kirche in WDR 2 | 25.10.2021 | 05:55 Uhr

Die hässliche Ilse

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder vorbei. Tja. Und neulich, an einem Sonntag Ende September, da haben wir in der Agneskirche einen Gottesdienst mit Tieren gefeiert. Alle Menschen haben ihre Tiere mitbringen dürfen. Natürlich nur, soweit das für das Tierwohl okay gewesen ist. Fische, Katzen oder Hamster, die sind natürlich zu Hause geblieben. Logisch. Der Fisch braucht ein Aquarium. Die Katze ihr Revier. Und der Hamster schläft tagsüber. Dafür sind aber ungefähr 25 Hunde da gewesen.

Was für ein Spaß.

Zum Beispiel ein kleiner schwarzer Affenpinscher. Den hatte ein kleiner Junge an der Leine. Ganz stolz hat er ihn in die Kirche geführt. Und neben ihm ist seine Oma gegangen. Dann ist der Gottesdienst losgegangen. Und ich habe ein paar Hunde und ihre Menschen vorgestellt. Zum Schluss habe ich den kleinen Jungen gefragt: „Wie heißt denn dein Hund?“ „Das ist die Ilse!“ hat er gesagt. „Und was magst du an der Ilse besonders gern?“ Da hat der Junge seine Oma angeschaut. Weil er nicht gewusst hat, was er sagen sollte. Da habe ich einfach die Oma gefragt: „Was mögen Sie an Ihrem Hund?“ Die Oma hat ein bisschen zerknirscht geguckt. Und dann hat sie in einem Tonfall, den nur Omas aus Köln draufhaben gesagt: „Gucken Sie sich den Hund doch mal an! In meinen Augen ist die potthässlich.“

Da hat es natürlich großes Gelächter in der Agneskirche gegeben. Und ich habe mir die Ilse angesehen. Wunderschöne dunkle Augen. Lebhafter Blick. Und zwei Eckzähne im Unterkiefer, die über den Oberkiefer hinausgeragt haben. Ein Überbiss halt. Sie habe ihn aus dem Tierheim, hat die Oma noch gesagt. Seit 13 Jahren sei die Ilse Teil der Familie. Und dann hat sie den Hund angesehen, wie eine Oma halt ein Mitglied der Familie ansieht.

In einem Interview mit einer Hundeforscherin habe ich neulich gelesen, dass Hunde im Lauf der Evolution etwas gelernt haben, was Wölfe nicht können. Hund können die Augenbrauen heben. Dafür haben die einen Extramuskel ausgebildet, der den Wölfen fehlt. Dadurch werden die Augen runder - und so ist der legendäre Hundeblick entstanden, dem die Menschen nicht widerstehen können. Ein Experiment mit Hunden in einem Tierheim hat gezeigt: Die Hunde, die besonders gut ihre Augenbrauen heben können – die werden von den Menschen am meisten ausgesucht und mitgenommen.

Ich weiß nicht, ob die hässliche Ilse ihre Augenbrauen besonders gut anheben kann. Ich würde die Oma das beim nächsten Mal gerne fragen. Auf jeden Fall hat sie vor dreizehn Jahren die hässliche Ilse nicht im Tierheim zurückgelassen, sondern mitgenommen. Hundeblick hin oder her. Die Ilse mit dem Überbiss. „Sie haben dreizehn Jahre einen Hund umarmt“ habe ich der Oma gesagt. „Sogar einen, den Sie hässlich finden. Da haben Sie mehr vom Evangelium verstanden als die meisten.“

Ich finde, das ist eine wunderbare Zusammenfassung der frohen Botschaft: Liebe deinen Nächsten heißt, einen Hund zu umarmen, selbst wenn er hässlich ist. Und weil heute eine neue Woche beginnt haben Sie wahrscheinlich viele Gelegenheiten, jemanden zu umarmen. Es muss ja kein Hund sein. Sie werden schon jemanden finden. Nicht nur an diesem Montagmorgen.

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