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Kirche in WDR 2 | 28.12.2021 | 05:55 Uhr

Sozialkaufhäuser – für wen sind die eigentlich

Guck mal – sage ich zu meinem Sohn - ich habe neue Elefanten und zeige mit dem Finger auf die Elefantenkuh mit ihren Kindern. Mein Sohn beachtet die Elefanten nicht, aber mich um so mehr.


Hast Du den Armen wieder alles weggekauft. Ich schweige. Hinter ihm steht die Stereo-Konzerttruhe Alabama von Blaupunkt. Eine Truhe auf vier Beinen, mit integriertem Schallplattenspieler, Radio und Boxen. Auch die habe ich den Armen weggekauft. Ebenso wie die Tischdeko: kleine Tannenbäume aus Holz und rote Windlichter.


Eigentlich hat mein Sohn ja Recht – nur könnte er den Vorwurf doch etwas höflicher formulieren? Vielleicht als Frage: Darf man als Normalverdienerin in Sozialkaufhäusern einkaufen. Eigentlich waren die ja mal für Menschen mit geringem Einkommen gedacht.

Aber ob die unbedingt scharf sind auf Elefanten aus Marmor oder eine Musiktruhe aus den 70gern?


Dort wo ich einkaufe, darf ich das als Normalverdienerin. Im Sozialkaufhaus „Viel Wert“ der Wuppertaler Diakonie.

Ein bisschen schlechtes Gewissen bleibt trotzdem. Und das, obwohl ich dort auch spende.

Im Fairhaus der Düsseldorfer Diakonie bekommen die mit geringem Einkommen eine Faircard – einen Preisnachlass von 30 Prozent.


Die Idee gefällt mir.


Neulich war ich beim Kinderschutzbund in Wuppertal – dort gibt es Kleidung.

Die Chefin sagt: „Früher war das nicht so. Da durften nur Geringverdienende bei uns einkaufen“. Ich stehe neben einer jungen Frau, die voll auf Speed ist. Sie hockt am Boden sortiert Dessous: von einem Korb in den anderen und dann wieder retour.

Eine Frau gibt eine Spende ab. Die Chefin öffnet den Sack: „Wir sortieren hier Müll“, sagt sie zu mir. Verrauchte, kaputte, verwaschene, abgetragene Kleidung. Zwischendrin was Brauchbares oder was Ausgefallenes. Ein Abendkleid mit Preisschild oder ein Diadem.


Eine alte Frau kauft gebrauchte Unterhosen. Das Stück für 50 Cent. „Haben Sie Hunger? “,

fragt die Chefin und drückt ihr Geld in die Hand. Ich stehe daneben und schäme mich ein bisschen. Die Lust am Shoppen ist mir vergangen.

„Ja, es gibt immer mehr Arme“, sagt die Chefin. „Und immer mehr Hunger“.

Im Winter verteilen wir samstags Essen auf dem Laurentiusplatz. Die Schlangen werden immer länger.


Ich bin erschüttert über dieses Ausmaß an Armut. Für mich selbst ist das Sozialkaufhaus auch ein Raus aus meiner Blase. Ein Hin zu der Überlegung, was kann ich eigentlich tun für Menschen, die wirklich arm sind. Außer ihnen Elefanten und Konzerttruhen wegkaufen.


Was kann ich tun? Ich frage mal nach, vielleicht brauchen sie noch Hilfe bei der Suppenküche.


Foto:
https://www.sozialeteilhabe.de/waren-dienstleistungen/sozialkaufhaus-vielwert

Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius


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