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Hörmal | 27.02.2022 | 07:45 Uhr

Herr, behüte meinen Mund

Neulich in der Boutique sagt die Verkäuferin zu mir: Ich kann es nicht mehr hören. Sie meint die andere Kundin, die außer mir noch im Laden ist. Lautstark erzählt sie Ihrer Verkäuferin die Krankengeschichte ihrer Schwester. Bis in alle Einzelheiten. Ehrlich gesagt war mir die Lust am Shoppen auch schon vergangen. Wer will das hören, wenn er gerade dabei ist, dem grauen Alltag zu entfliehen. Sich was Schönes gönnen möchte. Oder selbst zu kämpfen hat. Mit eigener Krankheit oder der seiner Liebsten. Ich lächele meine Verkäuferin an und flüstere ihr ins Ohr: Ich auch nicht.

Ungefragt scheußliche Geschichten im Dienstleistungssektor abzusondern, finde ich unerträglich. Auch meine Friseurin flüstert: Ich kann es nicht mehr hören. Corona. In der anderen Ecke des Salons, für alle gut zu verstehen, erzählt eine Kundin ausführlich, wer in ihrem Umfeld alles an Corona erkrankt ist und mit welchen Folgen. Und im Übrigen habe die Impfung ja auch Nebenwirkungen. Sie habe jetzt gehört und so weiter und so fort.

Ich nicke verständnisvoll. „Sie kriegen hier sicherlich viel zu hören“, sage ich. Sie nickt. „Abends bin ich so k-o, da kann ich mich nur noch vor die Glotze packen“, sagt sie. „Das kann ich gut verstehen“, sage ich und denke: Mein Gott. Kunden und Kundinnen sind wirklich oft eine Zumutung. Das grenzt ja schon an Verletzung von Persönlichkeitsrechten. Nur weil ihnen jemand eine Jeans verkauft oder die Haare schneidet, haben Kunden ja noch nicht das Recht, die Person für sich komplett zu beanspruchen. Als Mülldeponie.


„Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen“, heißt es in der Bibel.


Manchmal geht es mir in dienstlichen Bezügen auch so. Ich verkaufe keine Jeans und schneide keine Haare. Aber ich kenne Konferenzen, wo die, die mehr Macht haben, einfach nicht aufhören, zu reden. Kennen Sie das auch? Sie können ja schlecht Vorgesetzte zur Ordnung rufen: Hey Herr Dr. Meyer, merken Sie denn gar nichts? Niemand will ihr Gequatsche hören. Alle haben schon innerlich auf Durchzug
geschaltet. In Zeiten von Corona gibt es ein Entrinnen. Ich höre tolle Geschichten. Von Videokonferenzen der Schulen, der Arbeitsagentur, des Senders und auch der Kirchen. Wo Teilnehmer:Innen einfach den Ton oder das Bild abschalten, oder die Verbindung komplett zusammenbrechen lassen.


„Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen“, heißt es in der Bibel.

Aber was hat der Herr damit zu tun? Ich glaube, es hat was mit Entscheidung zu tun. Ich kann mich doch entscheiden, ob ich ständig und überall Geschichten erzähle, die keiner hören will. Immerhin hat Gott uns als vernunftbegabte Wesen geschaffen, die einen freien Willen haben. Aber wenn es einen mal wieder überkommt


– ich will mich da auch nicht ausnehmen - hilft vielleicht doch so ein kleines Stoßgebet:


„Herr, behüte meinen Mund und bewahre meine Lippen“(Ps 141,3)

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