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Kirche in WDR 2 | 31.01.2022 | 05:55 Uhr

Everyday is like sunday

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende auch schon wieder rum. Tja. Aber was wäre eigentlich, wenn es nicht rum wäre? Also wenn es immer weiter ginge? Du wachst am Montag auf. Und es ist wieder Sonntag. Und am nächsten Morgen wieder. Und dann wieder. Und immer so weiter. Everyday is like Sunday.

Ich habe neulich daran denken müssen, weil es in der Bibel so eine ähnliche Idee gibt. Ein Jahr lang soll jeder Tag ein Sabbat-Tag sein. Steht im Buch Levitikus. „Wir machen alle 50 Jahre ein Gnadenjahr.“ Und was soll das sein? 365 Tage ausschlafen etwa? 365 Tage Urlaub? 365 Tage Jogginghose? Neinnein, das gerade nicht, keine Sorge.

Eher ist das die Idee eines aufregenden Gesellschaftskonzeptes gewesen. In diesem Gnadenjahr sollten den Menschen, die Schulden machen mussten, ihre Schulden erlassen werden. Hatte einer Sklaven gekauft musste er sie freilassen. Und hatte jemand aus purer Not heraus sein Land verkaufen müssen hat er es zurückbekommen. Alle fünfzig Jahre sollte also genau hingeschaut werden: Haben alle das, was sie zum Leben brauchen? Geht es allen gut? Und wir nehmen uns die Zeit, die es halt braucht zum Nachgucken. Und wo das nicht so ist ändern wir das.

Neulich habe ich die Geschichte gelesen, in der Jesus an diese alte Idee erinnert. Sie erzählt, wie er eines Tages nach Hause kommt. In der Synagoge drücken die Menschen ihm die heilige Schrift in die Hand. Er schlägt sie auf – und liest: „Gott hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bringe. Damit ich den Gefangenen sage: Ihr seid entlassen. Und den Blinden: Ihr könnt sehen. Damit ich die Zerschlagenen sage: Ihr seid frei. Und allen sage: Das Gnadenjahr des Herrn beginnt genau jetzt.“

Und ich habe gedacht: Was für eine coole Idee! Und wie toll wäre es, wenn heute dieses Jahr beginnen würde. Ich habe an die Armen gedacht, die zwei oder drei Jobs machen, um ihre Familien durchzubringen. Was für eine Erlösung wäre es wohl für sie, wenn wir als Gesellschaft sagen würden: Hört zu, das geht so nicht weiter. Und ich hab an die vielen Gefangenen im Knast gedacht. Die vor der Gesellschaft weggeschlossen werden. Was würden die denken, wenn sie wirklich den Eindruck hätten, wir da draußen interessieren uns für sie? Mir sind die vielen Blinden eingefallen. Die die Augen zumachen. Vor dem Leid der Tiere. Vor Diskriminierung von Menschen. Vor seelischer und körperlicher Not. Und ich habe an die gedacht, für die das Leben anstrengend ist. Die immer den Eindruck haben, ihre Schönheit, Klugheit, Dynamik und Kreativität reichen nicht. Was wäre, wenn wir uns die Zeit nehmen, die sie brauchen und ihnen sagen: Ihr seid freie Menschen. So wie ihr seid. Punkt.

Was für eine aufregende Idee. Was für ein aufregender Gott, der mit so einer Idee um die Ecke kommt: „Menschen, nehmt euch die Zeit, um genau hinzuschauen, dass es allen gut geht: Menschen, Frauen, Kindern, Gruppen, Gesellschaften, Tieren und Pflanzen.“ So einem Gott würde ich gerne glauben, oder? Nicht nur an diesem Montagmorgen.

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