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Kirche in WDR 2 | 09.03.2022 | 05:55 Uhr

Zeitenwende

Zeitenwende.

Viel zu lesen und zu hören, dieses Wort. Zeitenwende.

Weil: Krieg in Europa ist.

Gott sei Dank war das ja lange nicht so.

Also in Europa.

Pause gemacht hat der Krieg ja nie.

Das Töten, das Schreien, das Fliehen. Die Ohnmacht und Gewalt, die Verzweiflung und die Barbarei, die Angst und der Großmut und die Solidarität und der Egoismus. Im Krieg.

Pause haben die nie. Nur ist das alles weit weg.

Oder weiter weg – wenigstens.

Oder fremder. Weil die, die aufeinander geschossen haben oder immer noch schießen, eine andere Hautfarbe, eine ganz andere Kultur, eine andere Religion haben.

Jetzt ist es anders.

Fast nah. Die Menschen auf den Fernsehschirmen, in Kiew, auf dem Land oder an den Grenzen sehen aus wie du und ich.


Mir schießt durch den Kopf: Das kann doch alles nicht wahr sein: Wie ein Unfallgefühl.

Ist es aber.

Scham angesichts des Elends.

Zeitenwende.

Was genau wendet sich da eigentlich:

Der russische Angriffskrieg in Europa führt ja ganz direkt zu der Frage, ob das mit der Abrüstung alles Träumerei gewesen ist. Folge der sogenannten „Friedensdividende“ wie es jetzt, natürlich im wirtschaftlichen Sprachbild, heißt.

100 Milliarden Sondervermögen für die Bundeswehr, weil: Frieden schaffen ohne Waffen, dem Recht des Stärkeren freie Gewalt lässt?

Gehört zur Hand, die zum Frieden ausgestreckt ist, realistischerweise die Panzergranate in der Tasche?


„Das Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend an“? (Gen. 8,21) so wie es in der Genesis steht.
Echt jetzt?

Ja. Schon. Ist es. Echt jetzt.

Allerdings nicht nur. Menschen lieben und verzeihen, solidarisieren sich und opfern.

Sowohl, als auch.

Als Christ habe ich einen Auftrag: Liebe Gott, deinen Nächsten, wie Dich selbst. Denn er ist wie Du.

In den Augen der Welt sind Christen da ziemlich bescheuert.

Ob das Böse mit Liebe begrenzt werden kann?

Kurzfristig sicherlich nicht. Im Lauf der Zeiten – vielleicht.

Nur mit Gottes Hilfe.

Fragen.


Es bleibt:

Klage an Gott und Mensch,

und Bitte um Erbarmen und Frieden.



Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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