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Hörmal | 03.04.2022 | 07:45 Uhr

Flüchtlinge aus der Ukraine

„Thank you, thank you, thank you …“ Während Katarina mich so sehr drückt, das mir die Luft wegbleibt, sagt sie immer wieder: „Thank you – Danke.“ Sie sagt das mit Nachdruck und so schnell hintereinander, dass sich die Buchstaben überholen. Und mir, mir wird das Herz schwer. „Thank you.“ Wofür eigentlich?


Rückblick:

Vor drei Tagen sind wir los. 19 Ukrainer:innen sollten wir an der polnisch-ukrainischen Grenze abholen und zu Freunden und Verwandten in ganz Deutschland bringen: Dresden, Münster, Odenthal. Es ist eine private Initiative von Leuten, die Leute kennen. Am Ende sind es 21 Ukrainer:innen. Denn: Eine ist nicht gekommen, dafür aber Katarina und ihre beiden Kinder. Katarina und die Kinder, die sind nicht eingeplant. Die kennen uns nicht und wir kennen sie nicht. Mitgenommen haben wir sie trotzdem. Weil die Dreijährige vor Müdigkeit nicht mehr stehen kann, weil der Achtjährige sein Tapfergesicht nicht mal für eine Großpackung Haribo-Frösche aufgibt.


Sie sind einfach so weggelaufen. Ohne Plan. Einfach weg vor dem Krieg. Sagt unsere Übersetzerin. Reden will jetzt keiner von den Dreien. Also setzen wir sie in einen der Busse. Mit dem Google-Translator schreiben wir: „Macht euch keine Sorgen. Ruht euch aus.“ Katarina nickt. Und ich denke: „Entweder ist sie total mutig oder total verzweifelt. Wir könnten ja sonst wer sein.“


„Niemand von Ihnen wird ein weinendes Kind in einem fremden Land stehen lassen können.“ Hatte unsere kommunale Integrationsbeauftragte gesagt. „Aber fragen Sie sich: Tun wir dem Kind und seiner Mutter wirklich einen Gefallen, wenn wir sie irgendwo hinbringen und unklar ist, ob sie dortbleiben können?


Blinder Aktionismus hilft also niemandem. Stattdessen fragen, was sie brauchen. Das hat schon Jesus getan. „Sag mir, was ich für dich tun soll.“, fragt er. (Lk 18,41) Übersetzt in diese Situation heißt das: „Ich als private Helferin muss von Dir, Mama mit zwei Kindern, wissen, wo du hinwillst und ob du da erwartet wirst oder ob du möchtest, dass ich das für dich regle.“ Das fällt mir ein, während ich die drei im Bus sitzen sehe. Aber ich frage sie nicht.


Vor Ort in Polen an der Grenze ist alles sehr gut organisiert. Die Ukrainer:innen werden gefragt: Habt Ihr Familie, werdet Ihr abgeholt oder wollt Ihr auf eigene Faust weiter und wenn ja, wohin?


Dann rufen Freiwillige rund um ein Zeltlager mit medizinischer Erstversorgung und Verpflegung Namen aus. Wer abgeholt wird, fällt halb lachend, halb weinend und vor allem todmüde in offene Arme. Die, die nicht erwartet werden, die können sich ausruhen oder mit Bussen zum nächsten Bahnhof weiter.


Und dann sind da noch wir. Ich stehe zwischen Müttern mit kleinen Kindern und Teenies im Schlepptau. Am Ende sind unsere drei Minibusse voll mit Menschen, die kaum reden, die nur schauen. Und das, was sie nicht sagen, klingt laut in meinen Ohren und in meinem Herzen: „Helft ihr uns wirklich, können wir euch vertrauen?“


Ja, können sie. Die letzten 1200 km fahren wir durch. Die Kinder schlafen. Die Mütter werden ruhiger. Immer wieder machen wir Halt und bringen Familien und Freunde zusammen. Morgens um zwei sind wir in Odenthal. Ich glaube, für Katarina ist es gut ausgegangen. Sie ist mit ihren Kindern bei einer sehr netten Familie untergekommen. Ich kann allerdings erst durchatmen, als sie mir ein Foto vom Frühstückstisch schicken. Die Dreijährige lacht.



Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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