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Kirche in WDR 2 | 09.05.2022 | 05:55 Uhr

...dass ich niemanden habe

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und vielleicht werden Sie sich gleich, nachdem Sie mit dem Zähneputzen fertig sind von Ihrer Frau oder Ihrem Mann oder Ihren Kindern verabschieden und sich auf den Weg zur Arbeit machen. Und ich vermute, auf der Arbeit beginnt bei manchen dann schon wieder die Sehnsucht nach den Menschen, die zu Hause auf Sie warten. Den Menschen, die Sie lieben.

Doch: Während ich das aufschreibe muss ich an einen Satz denken, den ein kleines Mädchen mal in ein Buch geschrieben hat. Das Buch hat in einer kleinen Zeltkapelle gelegen, die wir mitten in einem Ferienlager aufgebaut hatten. Und in dieses Buch haben alle Kinder ihre Gebete, Wünsche und Gedanken aufschreiben können. Und eines Tages hatte ein Mädchen einen Satz reingeschrieben. Und der ging so: „Lieber Gott, heute Morgen habe ich gemerkt, dass ich niemanden habe außer meine Katze.“ Das Mädchen war vielleicht zwölf Jahre alt. Und ich muss sagen, dieser Satz hat mich damals sehr berührt. Denn in diesem Satz steckt ja das Drama eines ganzen Lebens drin: Die Erkenntnis, dass du einsam bist und allein, dass dich keiner versteht, dass sich niemand für deine Gedanken und Gebete interessiert, so dass du sie in ein Buch schreiben musst, damit sie überhaupt jemand mitbekommt. Und es steckt natürlich noch etwas anderes drin: Die Sehnsucht nach Liebe. Die Sehnsucht danach, dass da einer ist, der sich für dich interessiert. Der dich in die Arme nimmt, vor allem, wenn du es wirklich nötig hast und nicht damit rechnest. Die Sehnsucht nach Liebe, die dein Leben aus dem Schatten ins Licht dreht.

In diesen Tagen werden in ganz Deutschland unter dem hashtag #liegegewinnt wieder viele Segnungsgottesdienste gefeiert. In vielen Kirchen kommen Menschen zusammen, und dann werden wieder andere Menschen ihre Liebe segnen. Vor allem werden queere Menschen kommen, deren Liebe in der katholischen Kirche jahrelang eine Untergrundexistenz führen musste. Auch bei uns in der Kölner Agneskirche gibt’s am 11. Mai um 19:30 Uhr einen Segnungsgottesdienst. Und da wird eine sehr fromme großartige Frau über ihre Liebe zu ihrer Frau erzählen, die sie viele Jahre verheimlicht hat. Aber es sind natürlich auch alle anderen Menschen eingeladen. Vor allem auch die, die sich nach Liebe sehnen und die das Gefühl haben, ihre Sehnsucht findet keine Resonanz. All die, für die das Mädchen vor Jahren den Satz hingeschrieben hat: „Lieber Gott, heute Morgen habe ich gemerkt, dass ich niemanden habe außer meiner Katze.“

Manchmal frage ich mich: Was ist wohl aus dem Mädchen geworden? Und ihrer Einsamkeit? Ich wünsche ihr und ich bete dafür, dass sie außer ihrer Katze noch jemanden gefunden hat, der sie voll Liebe anschaut. Mit einem Blick, in dessen Glanz sie wachsen kann, groß, stark und glücklich wird. Es kann doch nicht genug Liebe geben in dieser verrückten Welt. Nicht nur an einem Montagmorgen.

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