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Hörmal | 26.06.2022 | 07:45 Uhr

Überstanden

Die Großmutter meines Mannes hieß Oma Traude. Sie hat nach jedem Treffen gesagt: „Hätten wir das auch überstanden!“ Wir haben zu Hause viele Jahre über diesen Satz gelacht. Die gemeinsam verbrachte Zeit konnte noch so schön gewesen sein, die Stimmung ausgelassen und heiter. Doch kaum war alles vorbei, holte Oma Traude tief Luft, seufzte, und schon war er da, dieser Satz: „Hätten wir das auch überstanden!“

Nun ist Oma Traude schon viele Jahre tot. Und ich ertappe mich immer häufiger dabei, wie ich ihren Satz zwar nicht ausspreche, aber doch denke. Gerade erst vor ein paar Tagen habe ich gedacht: Die Hälfte von 2022 haben wir geschafft. Überstanden! In Nordrhein-Westfalen haben die lang ersehnten Sommerferien begonnen. Das Schuljahr ist zu Ende. Überstanden! Zeit für eine Zwischenbilanz:


Unweigerlich denke ich zurück an die vergangenen Monate. Sofort fällt mir der Krieg in der Ukraine ein. Krieg mitten in Europa! Bis zum 22. Februar war das unvorstellbar. Vieles andere ist dadurch nebensächlich geworden. Und trotzdem geht das Leben weiter. Irgendwie. Was für Trauernde manchmal wie Hohn klingt, ist doch auch ein Trost. Es geht weiter. Irgendwie.
Was war sonst noch in 2022? Die Olympischen Winterspiele haben in Peking stattgefunden und die Spritpreise steigen auf ein absolutes Rekordhoch. Ebenso wie die Zahlen der Coronainfektionen. Ich bin 40 geworden. NRW hat eine neue Landesregierung gewählt. Unser Großer hat das erste Jahr auf der weiterführenden Schule geschafft.

Das Leben geht weiter. Irgendwie. Und irgendwie beginnt die Zeit mit der Zeit zu rasen.

Was also tun? Was machen wir mit der zweiten Hälfte von 2022, die ja nun noch vor uns liegt?
Einfach weitergehen. Noch ist Zeit. Für die nächste Diät. Den Verwandtenbesuch. Zeit, um den Keller aufzuräumen oder um Vegetarier zu werden. Noch ist Zeit. Vielleicht auch für etwas ganz Neues.
Auch die zweite Jahreshälfte werden wir schaffen. „Überstehen“, wie Oma Traude sagen würde. Genauso wie die erste Hälfte des Jahres. Wie die erste Hälfte unseres Lebens. Wie überhaupt alle Zeit, die uns geschenkt ist.
Die Bibel hat viele Ideen dazu, was wir mit unserer Zeit tun können. Am sinnvollsten erscheint mir ein Gedanke von Paulus. Der sagt: „Solange wir also noch Zeit haben, wollen wir allen Menschen Gutes tun.“ (Galater 6, 10). Vielleicht sind die Ferien die richtige Zeit, um damit anzufangen: Den Menschen um mich herum und mir selbst Gutes zu tun. Die Zeit, die mir geschenkt ist, zu genießen. Und nicht nur zu überstehen. Ich seufze einmal tief, denke an Oma Traude und freue mich auf das, was da noch kommt – in 2022.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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