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Kirche in WDR 2 | 20.07.2022 | 05:55 Uhr

Eingerosteter Glaube

Ich bin Ordensfrau. Na klar muss ich an Gott glauben und jeden Tag beten und so. Jedenfalls sollte man meinen. Aber auch ich als Schwester bin nicht davor geschützt einzurosten oder in einen Trott zu verfallen. Glauben als was Selbstverständliches anzusehen und ihn einfach so mitschleifen. Viele Jahre hat das bei mir auch funktioniert – aber jetzt nicht mehr- Vielleicht, weil es so viel gibt, was mir Angst macht – wie der Ukrainekrieg z.B. oder ehrlicher gesagt die Bedrohung die ich für mein heiles Zuhause spüre und für meine Lieben.

Vor Jahren sagt mit mal ein bekannter Comedian, als wir über unseren Glauben und die Kirche reden „früher bin ich in die Kirche gegangen, ich war Messdiener und ich habe an Gott geglaubt. Aber dann habe ich mir irgendwie abgewöhnt an ihn zu denken und habe so vor mich hin gelebt. Jetzt ist mir der Glaube fern und die Kirche erst Recht.

Damals habe ich es aufmerksam gehört, aber konnte es mir nicht vorstellen, dass mir das jemals passiert. Heute erlebe ich mich in ähnlicher Weise. Ich glaube noch an Gott, also daran, dass es ihn gibt. Aber ich habe das Gefühl, dass mein Leben auch so, ohne ihn auskommen könnte – manchmal jedenfalls. Man kann es einfach vergessen, zu glauben. Mich erschreckt das, habe ich diesem Gott doch mein Leben geweiht.

Aber dann kommt mir das Bild einer Beziehung, vielleicht einer Ehe, die schon sehr viele Jahre besteht. Die Partner sitzen sich am Küchentisch beim Frühstück gegenüber, der eine hinter der Zeitung, der oder die andere vielleicht am Smartphon – oder auch beide hinter dem Handy? Und von außen scheint da kaum noch ein Miteinander zu sein. Und doch – es gibt eine Verbindung. Da gibt es vielleicht den kurzen Blick nach Oben in die Augen des anderen und die Gewissheit, du bist da. Das ist gut.

So fühle ich das gerade mit Gott. Wir sind gerade wie ein altes Ehepaar: Er und ich, die Ordensschwester.

Das ist kein Hallelujagefühl oder irgendwas ganz Tiefgreifendes und Erhellendes. Aber es ist eine tiefe Gewissheit, dass da ein Gegenüber ist, das mir zugewandt ist, auch wenn ich mich, hinter was auch immer, verschanzt habe. Ein Gegenüber, dass da ist und mich liebt – ohne Gegenleistung. Das ist mein Glaube, den ich noch habe. Auch ohne besonders fromm zu sein.



Und das ist etwas, wozu ich auch sie ermutigen möchte. Viktor Frankl, ein Psychiater und Begründer der Logotherapie, hat einmal gesagt „Gott ist der Partner meiner intimsten Selbstgespräche“. Das ist ein Bild, mit dem, glaube ich, jeder und jede etwas anfangen kann. Da ist jemand, der mir zuhört, der an mir interessiert ist – ganz egal was ich zu erzählen habe – ob ich motze oder mich freue, Fragen stelle oder Erfahrungen berichte.
Ein Gegenüber, dem Wünsche und Sehnsüchte von mir vertraut sind und vor dem ich auch dunkle Gedanken nicht verstecken muss. Es ist ok, so wie ich bin und so bin ich von Gott geliebt. Diesen Gedanken ab und zu mal zulassen, hilft mir, auch meinen Glauben neu zu beleben. Ich muss nichts Frommes oder Kluges denken oder sagen, wenn ich Gott begegne will – er begnügt sich mit dem, was mich beschäftigt – da ist nichts unwichtig – er ist „Partner meiner intimsten Selbstgespräche“.
Und manchmal, so habe ich es erlebt, verwandeln sich meine Selbstgespräche zu einem Gebet, was mir Kraft gibt und mich erfüllt.

Also, denken sie heute, was sie wollen und denken sie dann vielleicht ab und zu mal daran, dass da jemand ist, der ihnen furchtbar gerne zuhört. Vielleicht entsteht ja ein Dialog daraus. Bei mir jedenfalls passiert das oft. Dass ich das Gefühl habe, da bilden sich Antworten, Sicherheiten, Bestätigungen, Fragen. Etwas rundet sich, weil ich niemals alleine denke. Und dann weiß ich wieder: Ohne Gott ist mein Leben einfach nur halb so schön.
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