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katholisch

Hörmal | 03.07.2022 | 07:45 Uhr

Die Hoffnung nicht aufgeben

Es sieht nicht gut aus für die katholische Kirche in unserem Land. Mehr als ernüchternd sind die die hohen Austrittszahlen für das Jahr 2021, die am vergangenen Montag veröffentlicht wurden. „Selbst schuld“ werden viele denken: Missbrauchsskandal, Machtstrukturen, Männer-zentriert und mangelnder Reformwille. Kein Wunder, dass sich seit Jahren schon Katholikinnen und Katholiken aus der Kirche zurückziehen und dass sich dieser Trend in den letzten Jahren noch einmal beschleunigt hat. Für mich neu und überraschend: auch immer mehr Menschen aus dem „inneren Kreis“ treten aus. Leute, die sich in ihrer Gemeinde engagieren und etwas bewirken und verändern wollen, sind es offenbar leid. Es sind also nicht bloß diejenigen, die Kirchensteuer sparen wollen oder sowieso keinen Kontakt mehr zur Kirche haben, sondern Leute, die sich mit der Kirche identifiziert haben. Prominentes Beispiel ist jüngst Andreas Sturm, der bis vor wenigen Wochen noch als Generalvikar der Stellvertreter des Bischofs von Speyer war. Sturm ist zu den Altkatholiken übergetreten.

Ich wünsche Andreas Sturm, dass er in der altkatholischen Kirche eine Institution antrifft, in der er seinen Glauben wieder mit Freude leben kann. Denn viele, die aus der Kirche austreten, sind ja immer noch gläubig und fragen nach dem Sinn des Lebens. Wo es dran hapert, ist die Institution. Aber es ist auch klar: Religion braucht immer auch eine Struktur und damit eine Institution. Und das bleibt eine Herausforderung.

Schon als ich anfing, katholische Theologie zu studieren, – das ist nun 40 Jahre her –, ging es in den Vorlesungen um eine provozierende Gegenüberstellung. Da hieß es: „Jesus ja, Kirche nein.“ Damals zeigte sich bereits ein Frust an der Kirche und ihrem Establishment und stellte die Institution in Frage. Da wurde zum Beispiel über die sogenannte Pillenenzyklika „Humanae Vitae“ diskutiert, die bereits 1968 von Papst Paul VI. veröffentlicht worden war. Es ging dabei um theologische Fragen der künstlichen Empfängnisverhütung. Aber genauso bedeutsam waren die Fragen: Wie kann der Papst, wie kann die Kirche den Menschen so etwas verbieten? Was hat die Kirche in den Schlafzimmern der Menschen zu suchen? Dagegen begehrten nicht nur Katholiken auf. Es ging darum, sich immer mehr zu emanzipieren und eigenverantwortlich zu handeln, dem Gewissen zu folgen.

In der gegenwärtigen Situation zeigt sich für mich eine ähnliche Entwicklung, wie sie auch 1968 die Studentenbewegung gesamtgesellschaftlich angestoßen hatte unter dem Motto: „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren.“ Damit protestierten die Studierenden damals gegen überholte Traditionen nicht nur an den Universitäten und forderten die Aufarbeitung der NS-Verbrechen. Es ging vor allem um mehr Demokratie und Mitbestimmung.

Und darum wird bis heute gerungen in unserer Gesellschaft – und auch in der Kirche. Und ich denke mir: Keine Institution ist perfekt. Zu keiner Zeit – ob 1968 oder 2022 – kann man davon ausgehen: Alles ist in Ordnung. Immer wird es Defizite und Versagen geben, die aufgearbeitet und zukünftig verhindert werden müssen. Es wird eine ständige Aufgabe bleiben für die gesamte Gesellschaft wie für die Kirche, letztlich für jeden einzelnen Menschen. Und ich selbst versuche es, sogar in der Kirche – weil ich eine Hoffnung auf eine bessere Zukunft noch nicht aufgegeben habe.

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