Aktuelles

Beiträge auf: wdr2 

katholisch

Hörmal | 10.07.2022 | 07:45 Uhr

Masken und Rollen

Sommerzeit – Urlaubszeit. Dabei bin ich schon vor ein paar Wochen auf Zypern gewesen. Bei der Reise habe ich viel von der Insel und ihrer Geschichte erfahren. So war ich in der Hauptstadt, in Nikosia, u.a. im Archäologischen Museum. Dort werden Ausstellungsstücke von der Bronzezeit bis zur römischen Antike gezeigt: Werkzeuge, Waffen, Gräber, Skulpturen und auch eine ganze Reihe von Theatermasken. Und die haben mich besonders fasziniert. Sie stammten alle aus den ersten vier Jahrhunderten vor Christus, also der Zeit, als die Griechen auf Zypern das Sagen hatten. Die Griechen hatten bereits Theaterstätten erbaut und sogar die Römer haben da Theater gespielt, als sie auf Zypern das Sagen hatten. Damals wurde wohl überhaupt viel Theater gespielt.

Bemerkenswert war für mich die Art und Weise, wie damals Theater gespielt wurde. Ein einzelner Schauspieler konnte nämlich mehrere Rollen übernehmen. Und je nach Rolle hielt er sich dann eine andere Maske vor das Gesicht und sprach dann einfach durch diese Maske hindurch. Deswegen sind die Öffnungen am Mund wohl auch besonders groß, damit der Schall der Stimme gut hindurchtönen kann.

Übrigens: Dieses Hindurchtönen hat auch unseren Begriff „Person“ geprägt. Denn im Lateinischen heißt „personare“ „hindurchtönen“. Und die lateinische „Persona“ meint ursprünglich „Maske“ und hat später dann die Bedeutung von „Rolle“ und „Charakter“ übernommen. So verstanden bin ich als Person sozusagen ein Charakterdarsteller, der zu vielen verschiedenen Anlässen etwas sagen muss. Stimmt, denn wo und worüber muss ich nicht alles sprechen? Und in wie viele verschiedene Rollen bin ich tagtäglich eingebunden?

Jetzt spreche ich im Radio eine Morgenandacht, dann unterrichte ich an der Uni und spreche da über Kunstgeschichte und im nächsten Gottesdienst in der Kirche werde ich predigen. Ach ja – und ich bin auch noch ganz privat, spreche mit Freundinnen und Freunden über ganz alltäglich Dinge. Überall bin ich in einer anderen Rolle und bin doch auch immer derselbe – so wie der antike Schauspieler, der durch verschiedene Masken spricht, und dabei immer derselbe ist. Und ich hoffe, dass trotz der verschiedenen Rollen immer auch etwas von mir selbst hindurchtönt, also von meinem eigentlichen Wesen.

In der christlichen Theologie spielt das griechische Theater übrigens auch eine Rolle. Denn die theologischen Denker der frühen Christenzeit haben versucht, das Verständnis der göttlichen Dreieinigkeit so zu erklären: Der eine Gott in drei Personen ist immer gleich und spricht sich doch je anders aus, als Vater, als Sohn als Heiliger Geist. Wer auf Zypern die griechischen Theatermasken gesehen hat, der weiß, woher dieses Denken kommt. Ich finde das charmant und würde sagen: das ist im besten Sinne göttliches Theaterspiel. Allerdings kann man dieses göttliche Theaterspiel auch noch weiter fassen. Wenn nach christlich-jüdischem Verständnis jeder Mensch ein Abbild Gottes ist, dann bin ich und ist jeder von uns auch eine Person, durch die Gott sich mitzuteilen vermag. Fragt sich nur, ob ich mich dazu bereit erkläre, Gott meine Stimme zu leihen, dass er durch mich hindurchtönen, sprechen – ja vielleicht sogar durch mich wirken kann. Dazu muss ich wohl immer auch in mich hineinhören, um meine Rolle als Abbild Gottes zu finden und auszufüllen.

evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
katholisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen
evangelisch
Abspielen