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Kirche in WDR 2 | 02.07.2022 | 05:55 Uhr

Nächstenliebe und Selbstliebe

Eigentlich kriegt sie alles in ihrem Leben hin. Die Kinder finden allmählich ihren Weg und kommen klar. Und als ihre Eltern pflegebedürftig werden, kümmert sie sich um alles - im Gegensatz zu ihrem Bruder, der sich ziemlich zurückzieht und erst bei der Beerdigung wieder auftaucht. Auch sonst hält sie die Familie zusammen, wo es nur geht.

Unter den Kolleginnen ist sie ebenfalls regelmäßig zur Stelle, wenn jemand zum Schlichten gebraucht wird oder um Kompromisse zu finden. Sie bewirbt sich nie für hohe Positionen, ist aber immer bereit, Aufgaben zu übernehmen und für ein gutes Betriebsklima zu sorgen.

Das alles hat ihr eine Menge Anerkennung eingebracht. Bei vielen ist sie beliebt - auf der Arbeit genauso wie im privaten Umfeld. Aber jetzt kann sie nicht mehr. Es ist ihr alles zu viel geworden. Und kein Ende in Sicht. Immer, wenn sie denkt, eine Aufgabe sei abgeschlossen, kommt die nächste um die Ecke. Und die bringt manchmal noch ein paar Anforderungen zusätzlich mit.

Wenn sie ehrlich ist, merkt sie schon seit einiger Zeit, wie sehr sie die ganzen Belastungen überfordern. Es fühlt sich an, als ob sie ein Riesengewicht herumschleppt, das sie zu Boden drückt. Und immer häufiger findet sie morgens kaum die Kraft zum Aufstehen. Muss sich regelrecht zwingen, den Tag anzugehen.

Trotzdem ändert sie ihr Leben nicht, versucht es nicht einmal. Es ist doch bisher immer irgendwie gegangen und schließlich wird sie ja überall gebraucht! Bis sie schließlich zusammenbricht.


Bis dahin hat sie gelebt, als gäbe es in der Bibel nur die eine Hälfte des Gebots. Als stünde da nur: „Liebe deinen Nächsten!“ Und nicht: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!“ In dieser vollständigen Version verlangt das Gebot nämlich ein Gleichgewicht. Zwischen der Liebe zu mir selbst und der Zuwendung zu meinen Mitmenschen. Damit ist ausgeschlossen, dass ich nur auf mich schaue und auf das, was mir gut tut. Auf der anderen Seite ist aber auch klar: Ich muss nicht ausschließlich für Andere da sein. Muss nicht versuchen, es allen recht zu machen, und bin auch nicht dafür zuständig, dass alle glücklich sind, während ich selber vor die Hunde gehe.

Kein Mensch hat also das Recht, von mir zu verlangen, dass ich mich für Andere aufopfere. Auch ich selber muss mir das nicht abverlangen. Und Gott verlangt es sowieso nicht. Der liebt schließlich alle Menschen gleich. Deshalb will er, dass nicht nur die anderen zu ihrem Recht kommen. Sondern auch ich. Und du.



Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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