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Hörmal | 23.10.2022 | 07:45 Uhr

Nils und Polda

Es ist schon ein paar Jahre her: Ich sitze mit einer Familie zusammen, die um ein Familienmitglied trauert. In ein paar Tagen begleite ich die Familie als Pfarrerin bei der Beisetzung. Alle sind todtraurig. Fassungslos. Eine wichtige Entscheidung hat die Familie jedoch bereits getroffen: Dem Enkel des Verstorbenen, einem Kindergartenkind, soll auf gar keinen Fall gesagt werden, dass der Opa tot ist. Das Kind kommt zwar mehrmals in der Woche nach dem Kindergarten zu den Großeltern. Aber der Tod des Opas – da sind sich alle einig – ist ihm nicht zuzumuten.


Mich hat diese Geschichte nie losgelassen. Ich habe mich immer gefragt, wie es wohl dem kleinen Enkel ergangen ist. Ob er weiter nachmittags zum Spielen zur Oma gekommen ist? Was er gedacht hat, wo wohl der Opa ist und warum er nicht mehr da ist? Ob er die Oma gefragt hat? Oder seine Eltern?


Kindern Tod und Sterben zuzumuten, ist keine einfache Sache. Das ist mir bewusst und das weiß ich aus eigener Erfahrung. Aber ganz ehrlich? Ich glaube, es gibt keinen anderen Weg, als offen mit Kindern darüber ins Gespräch zu kommen. Denn irgendwann – früher und später – kommt jeder von uns in Berührung mit dem Tod. Und dann ist es gut zu wissen, was man sagen kann und was man tun kann.


In ein paar Tagen beginnt der November. In den beiden großen Kirchen wird in diesem Monat an die Verstorbenen gedacht. An die, die im zurückliegenden Kirchenjahr gestorben sind. Und auch an die, die wir schon länger vermissen. Für diesen besonderen Monat haben wir uns in Bottrop in diesem Jahr etwas ausgedacht: Eine Geschichte für Kinder und Familien. In einem kleinen Bilderbuch erzählen wir von Nils und Polda, zwei Tierfreunden. Die beiden überlegen, wie es wohl ist, wenn man stirbt. Vogelkind Polda ist sich sicher: „Das Gelbe vom Ei, das ist die Seele. Das bist du! Die Seele geht nicht kaputt.“

Kurze Zeit später passiert es: Ein Mitglied aus Nils Elefantenfamilie stirbt. Der große Körper liegt unbeweglich und starr am Wasserloch. Nils ist unendlich traurig. Sein Rüssel hängt schlaff und die Ohren reichen bis an den Boden. Polda, die Vogelfreundin bleibt an seiner Seite. Sie kuschelt sich in sein Ohr und lässt Nils nicht allein. Keiner spricht ein Wort. Die beiden haben keine Worte. Doch irgendwann ist es an der Zeit zu sprechen. Sich gemeinsam zu erinnern. Eine Kerze anzuzünden. Das tun Nils und Polda gemeinsam. Seite an Seite.


Auch Kinder trauern. Anders als die Großen. Aber auch sie kennen den Schmerz, wenn ein Haustier gestorben ist. Wenn der Opa tot ist oder Mama und Papa sich trennen. Die Geschichte von Nils und Polda will ermutigen, angesichts von Tod und Abschied beieinander zu bleiben. Und mit den Kindern ins Gespräch zu kommen. Über Trauer. Verlust. Und Abschied. Das hilft. Bis wieder andere Zeiten kommen.



Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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