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Kirche in WDR 2 | 21.11.2022 | 05:55 Uhr

Neues von Frau Dr. Fuchs

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und heute, da gibt es Neuigkeiten von Frau Dr. Fuchs.

Vor ein paar Wochen habe ich hier schon mal von ihr erzählt. Frau Dr. Fuchs heißt eigentlich anders. Sie ist Mitte achtzig. Sie lebt in einem Seniorenheim in Köln und war früher Fachärztin für Psychiatrie. Sie leidet an einer schweren Depression. Und seit der Coronapandemie telefonieren wir fast jeden Tag. Denn als es ihr mal besonders schlecht gegangen ist, da habe ich ihr gesagt: „Rufen Sie mich an, wenn es Ihnen dreckig geht. Dann reden wir, bis Sie wieder Licht sehen.“ Und das tut sie nun. Und meistens dauert es gar nicht besonders lang, bis das Licht wieder da ist.

Irgendwann habe ich gemerkt, dass es Frau Dr. Fuchs besser geht, wenn sie eine Aufgabe hat. Wenn sie sich ihren Kummer von der Seele geredet hat fragt sie mich meistens: „Und wie geht es Ihnen so?“ Dann erzähle ich von irgendeiner Herausforderung, einem Problem oder auch einem schönen Erlebnis. Und anschließend sagt sie: „Danke, dass Sie mir das erzählen. Denn dann kann ich ein bisschen Anteil nehmen an dem, was Sie beschäftigt. Das tut mir gut.“

Und vor einigen Tagen, da bin ich aus dem Krankenhaus gekommen. Eine wunderbare alte Frau hat da auf der Intensivstation gelegen. Es war klar, dass sie sterben würde. Und ich habe gemerkt, dass sie Angst gehabt hat. Vor dem Ort, der ihr ganz fremd gewesen ist. Vor dem, was da auf sie zukommt.

Und ich bin ganz betrübt nach Hause gefahren. Auch weil mir klar geworden ist, dass ich die Frau wohl zum letzten Mal gesehen habe. Und weil ich mich gefragt habe, wie ich der Sterbenden helfen kann.

Da ist mir Frau Dr. Fuchs eingefallen. „Eine Ärztin bleibt immer eine Ärztin!“ hat sie mir bei einer anderen Gelegenheit mal gesagt. Und zu Hause habe ich zum Hörer gegriffen. Ich habe sie angerufen. „Frau Dr. Fuchs“ habe ich gesagt „ich habe eine Aufgabe für Sie. Ich komme gerade von einer Sterbenden. Ein wundervoller Mensch. Mindestens so großartig wie Sie und sogar noch ein paar Jahre älter. Bitte helfen Sie mir und denken Sie ganz besonders an sie. Damit sie bei dem, vor dem sie so eine große Angst hat nicht so allein ist.“

Das wolle sie gern tun, hat Frau Dr. Fuchs gesagt. Und sie hat sich bedankt, dass ich ihr das erzählt und sie um Hilfe gebeten habe.

Ein paar Tage später ist die Frau dann friedlich gestorben. Und ich glaube: Auch mit der Hilfe von Frau Dr. Fuchs. Wie wir beide später bei einem Telefonat festgestellt haben. Und deswegen lautet meine Erkenntnis für die kommende Woche: Menschen wachsen, wenn sie eine Aufgabe bekommen. Selbst dann, wenn sie alt sind. Krank und traurig. Und ist das nicht wundervoll? Nicht nur an diesem Montagmorgen.

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