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Kirche in WDR 2 | 19.12.2022 | 05:55 Uhr

Die Steppe wird blühen

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und am Ende dieser Woche, da ist Weihnachten. Vier Wochen lang haben wir uns jetzt quasi herangerobbt. Und in ein paar Tagen ist es so weit.

Ich erinnere mich noch ganz genau an den Augenblick, als mich in diesem Jahr eine tiefe Vorfreude auf das Fest überrumpelt hat. Es war Ende November. Die Singschule, unser großer Kinderchor hat in der Agneskirche gesungen. Ungefähr 1000 Menschen waren ganz still. Sie haben sich überall hingehockt. Auf die Bänke. Auf den Boden. Auf die Treppen. Dann ist es für einen Moment noch stiller als still geworden. Matthias, der Kantor, hat seinen Taktstock gehoben. Dann hat das Orchester angefangen. Das Geigenspiel hat sich langsam nach hinten geschraubt.

Und dann haben die Kinder angefangen zu singen. Nicht irgendwas. Sondern einen ganz besonderen Text. Und er ging so: „Die Steppe wird blühen, die Steppe wird lachen und jauchzen. Das Wasser wird strömen, das Wasser wird glitzern und strahlen. Durstige kommen und trinken. Die Steppe wird trinken, die Steppe wird blühen, die Steppe wird lachen und jauchzen.“ Das hat geklungen, als würde augenblicklich der Frühling kommen. Als spritze und regne das Wasser in lustigen Rinnsalen zwischen den Bänken und Stühlen hindurch. Und man sah die Kinder förmlich durch den Regen und durch das Wasser springen und rennen. Voller Zuversicht, Ausgelassenheit, mit nichts als Optimismus und Hoffnung.

Was sie gesungen haben ist ein ganz alter Text der Bibel. Jesaja singt ihn in dem Moment, als er an sein Volk denkt, das aus seiner Heimat verschleppt worden ist. Und nun, zweieinhalbtausend Jahre später haben die Kinder diesenText die Kinder mitten in eine dunkle Kirche hineingesungen. Am Ende eines Jahres, das die Köpfe und die Herzen der Menschen so leer und schwer gemacht hat. Klimakrise und Krieg in Europa. Flucht, Vertreibung, Tierleid, Umweltzerstörung. Keine Hoffnung, nirgends. Da hinein haben die Kinder den tanzenden Optimismus ihrer Stimmen gelegt. „Die Steppe wird blühen.“ Auch wenn du es für Quatsch hältst, alter Mann. Die Steppe wird blühen. Es kann doch gar nicht anders sein.

Mich hat das in diesem Moment echt überwältigt. Und ich habe gemerkt, wie nötig ich diese Hoffnung habe. Und wie wunderbar es ist, dass ich mir nicht irgendeinen Durchhaltewillen einreden muss. Es wird schon schiefgehen. Oder so. Oder ein Ratgeberbuch lesen muss: Die zehn besten Tools zum Durchhalten. Sondern dass die Kinder mir an diesem Abend in der Agneskirche diesen alten Text entgegen gesungen haben. Mir praktisch zum Geschenk gemacht.

Womit wir beim Weihnachtsfest wären. Die Weihnachtsgeschichte ist ja ein ähnliches Bild. Ein Kind wird geboren, obwohl alles dagegenspricht. Armut, Krieg, Einsamkeit. Die Steppe wird blühen. Das Kind wird geboren. Jemand erzählt mir diese Geschichte. Und ich denke: Vielleicht ist Weihnachten genau das: Einander von der Hoffnung zu erzählen, einander die Hoffnung hinhalten, die einen schier überwältigt. Nicht nur am Weihnachtsfest. Und nicht nur an diesem Montagmorgen.

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