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Kirche in WDR 2 | 19.11.2022 | 05:55 Uhr

Radikal

Sie gilt als „die Heilige mit dem befremdlichen Lebenslauf“. Heute ist ihr Gedenktag: Elisabeth von Thüringen. 1207 wurde die heilige Elisabeth geboren. Ihr Vater war der König von Ungarn . – Sie gehörte also zur Spitze des europäischen Hochadels. Mit vier Jahren – das muss man sich mal vorstellen - wurde sie mit Ludwig verlobt – dem späteren thüringischen Landgrafen Ludwig IV.

Doch Elisabeth will nicht das Leben einer wohlhabenden Landesfürstin führen. Radikal bricht sie mit den Normen ihres Standes und kümmert sich um die Ärmsten und Kranken. Entschieden lebt sie die christlichen Gebote von Armut, Demut und Nächstenliebe. Mit 21 Jahren gründet sie in Marburg ein Hospital, in dem sie bis zur Selbstaufopferung Kranke und Sterbende pflegt. 1231 - gerade 24 Jahre alt - stirbt Elisabeth. Wenig später wird sie heiliggesprochen.

Heute würden wir Heilige wohl Gewissenstäter:innen nennen, die für ihren Glauben und ihre Überzeugung eintreten und gestorben sind. Trotz Verfolgung und Folter haben sie ihrem Ideal nicht abgeschworen. Deswegen zählen Menschen wie Dietrich Bonhoeffer und Martin Luther King genauso zu den Heiligen wie Mutter Teresa.

Im Kern geht es doch darum, etwas radikal, also an der Wurzel, zu verändern. In diesen Tagen muss ich dabei immer vor allem an die Frauen und Mädchen im Iran denken. Nach dem Tod von Mahsa Jina Amini geht es längst um mehr als nur das Kopftuch. "Frauen, Leben, Freiheit" fordern Zehntausende. Sie schneiden sich die Haare ab und verbrennen ihre Kopftücher. Begeben sich in Lebensgefahr, hoffen auf Veränderung.

Das sind doch keine Heiligen, wenden Sie jetzt vielleicht ein. Vielleicht nicht. Aber radikale Gewissenstäterinnen. Unterstützen wir sie dabei. Dietrich Bonhoeffer hat gesagt: „Es reicht nicht, die Opfer unter dem Rad zu verbinden. Man muss dem Rad selbst in die Speichen fallen.“ Das erleben wir gerade. Journalistin Nathalie Amiri geht und hofft in ihrer Einschätzung noch weiter. Es sei möglich, dass wir im Iran die erste feministische Revolution der modernen Geschichte erleben. Wer hätte das gedacht? Das wäre dann wirklich „radikal“.


Quellen:

https://idw-online.de/de/news?print=1&id=205677

https://www.planet-wissen.de/kultur/religion/geschichte_der_heiligenverehrung/index.html

https://www.deutschlandfunk.de/es-kann-zu-einer-revolution-werden-100.html

(alle zuletzt abgerufen am 17. Oktober 2022)



Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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