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Kirche in WDR 2 | 30.01.2023 | 05:55 Uhr

Hundehaufen

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist, ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und gleich, wenn ich hier fertig bin und die Nachrichten kommen, dann greife ich zur Hundeleine, rufe den Hund, und ab geht’s nach draußen auf eine Hunderunde. Außer der Leine und ein paar Leckerlies stopfe ich mir noch ein paar kleine Plastiktüten in die Jackentasche. Sie sind orange oder grün und wenig größer als meine Hand. Und meistens hole ich schon nach ein paar hundert Metern schon wieder eine raus. Greta, unser Pudel, hat sich hingehockt und einen Haufen gemacht. Auf nem Stückchen Rasen, ein paar Laubresten oder in einem Blumenbeet. Ich nehme also die Tüte raus, schiebe meine Hand hinein wie bei einem Handschuh, greife nach dem Haufen, ziehe die Tüte auf links, knote sie zu und halte nach einem Abfalleimer Ausschau. Schnell rein damit, und weiter geht’s.

Als klar war, wir kriegen einen Hund, da habe ich mir darüber keine Gedanken gemacht. Dass der Hund nämlich jeden Tag mehrmals seine Haufen hinterlässt und es meine Aufgabe als sein Mensch ist, diese aufzusammeln und zu entsorgen. Und ich weiß noch, wie es am Anfang war: Ich hab dagestanden, die Nase gerümpft, mit spitzen Fingern die Tüte gezwirbelt, die Luft angehalten und dann das Tütchen im hohen Bogen in den Eimer geschmissen. Und das sollte nun jeden Tag so gehen? Und dann im Winter! Wenns dunkel ist! Wie oft habe ich geflucht, die Handytaschenlampe angemacht und mit gebeugtem Rücken das Gras durchsucht, um im Finstern den Haufen wiederzufinden…

Nach vier Jahren mache ich darüber schon längst kein großes Gewese mehr. Der Hund muss. Und ich muss suchen, finden, aufheben und entsorgen. So ist das halt. Manchmal liegt neben Gretas Haufen noch einer. Von einem anderen Hund. Der ist wohl liegen geblieben. Den packe ich dann gleich noch mit ein. Haufen suchen und aufsammeln ist nun wirklich nichts, was ich gerne tue. Und schon gar nicht die Haufen von anderen Hunden.

Aber es ist ja so: nicht nur die Hunde lassen Haufen liegen. Dauernd tun das die Menschen auch. Sie lassen immer was stehen. Sie räumen nicht auf, lassen den Müll liegen, verdrecktes Geschirr oder machen ihre Arbeit nicht zu Ende. Besonders beliebt: Dafür bin ich nicht zuständig. Das ist nicht meine Angelegenheit. Das macht der Kollege, der Mann von der Abfallwirtschaft, die Küsterin, der Praktikant, die Mama. Und ich stelle mir für einen Moment eine Welt vor, in der sich alle für nicht zuständig erklären: weil sie die Sache nichts angeht, weil sie keine Lust haben, weil der Nachbar den Dreck gemacht hat, weil es stinkt, weil es bestimmt keiner merkt, wenn es liegenbleibt, weil es sowieso egal ist. Eine Welt, in der sich keiner mehr bückt: Keine schöne Welt.

Wer der Erste sein will, der muss der Diener aller sein. Steht irgendwo in der Bibel. Für mich heißt das: Mir bricht kein Zacken aus der Krone, wenn ich mich mal bücke. Und einen Haufen wegmache. Egal was für einen. Ich kann gern dabei fluchen. Für Gott jedenfalls haben ja die Autorität, die vor einem Haufen nicht wegrennen. Nicht nur an einem Montagmorgen.



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