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Hörmal | 14.05.2023 | 07:45 Uhr

Der letzte Wunsch

Als sich die Eingangstür des Krankenhauses hinter ihm schließt, ist er völlig durcheinander. Wie vor den Kopf geschlagen.

Dass seine Mutter nicht mehr lange leben wird, darauf hat er sich eingestellt. Ihr ist das wohl schon seit Längerem klar. Nun haben es auch die Ärzte bestätigt.

Völlig überrascht hat ihn aber jetzt die Bitte seiner Mutter. Vor wenigen Minuten hat sie gesagt: „Kümmere dich um Dieter! Das ist mein letzter Wunsch.“ Sie hat dabei seine Hand genommen und er hat überhaupt nicht gewusst, wie er reagieren soll.

Denn Dieter ist sein Stiefvater. Obwohl er diesen Begriff nie akzeptiert hat. Für ihn ist Dieter immer ein Fremder geblieben, der sich in sein Leben hineingedrängt hat. Keine Ahnung, ob seine Mutter mit dem Mann glücklich geworden ist. Aber er hat sich diesen Typen immer vom Leib gehalten.

Doch jetzt hat sie diesen Satz gesagt: „Kümmere dich um Dieter!“ Und er fragt sich, wie er damit umgehen soll. Hat er überhaupt eine Wahl? Oder anders gefragt: Hat man das Recht, sich dem Wunsch eines Sterbenden zu verweigern? Weil man das Gefühl hat: Dieser Wunsch ist zu groß für mich, zu schwer. Darf man so was überhaupt denken? Oder muss man sich in jedem Fall fügen? Und darauf hoffen, dass am Ende alles doch nicht so schlimm wird?


Während er nun über den Parkplatz des Krankenhauses geht, hat er immer noch vor Augen, wie er am Bett seiner Mutter sitzt, seine Hand in ihrer. Er hat dann irgendetwas halbwegs Unverbindliches gesagt. Und sich nicht so richtig festgelegt. Aber wie es jetzt weitergehen soll, das weiß er wirklich nicht.

Auf jeden Fall will er erst mal mit seiner Frau sprechen. Wenn er sich um Dieter kümmern soll, dann betrifft sie das schließlich auch. Außerdem braucht er jemanden zum Reden. Jemand, der ihm zuhört. Der ihm hilft, seine Gedanken zu sortieren. So dass sie dann gemeinsam gucken können, wie sie mit dem Wunsch seiner Mutter umgehen wollen.


Aber während er jetzt sein Auto aufschließt, nimmt er sich eine Sache ganz fest vor: Wenn sein Leben mal zu Ende geht, dann wird er auf einen letzten Wunsch verzichten. Er will später nicht seiner Frau oder seinen Kindern etwas aufbürden, was deren Leben nachhaltig belastet. Schon gar nicht mit seinen letzten Worten. Die nicht mehr zurückgenommen oder klargestellt werden können. Und womit sie dann allein zurechtkommen müssen.

„Das, was mir wichtig ist“, denkt er, „was geregelt werden soll, das muss vorher angesprochen werden. Nicht erst auf den letzten Metern. Mein letzter Wunsch soll dann schlicht und ergreifend ein guter Wunsch für die Anderen sein“, beschließt er. „Vielleicht sogar ein Segen.“



Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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