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Kirche in WDR 2 | 17.08.2023 | 05:55 Uhr

Kartoffel schälen!

Manchmal habe ich den Eindruck, der liebe Gott regiert wie ein römischer Imperator: Mit Zuckerbrot und Peitsche. Will sagen: Ich bin katholischer Diakon. Und da lese ich jeden Tag in der Bibel. An manchen Tagen spüre ich da ganz viel Gnade und Gerechtigkeit, Erbarmen und Erlösung. Zuckerbrot also. Und an anderen Tagen dann Zumutung. Peitsche. Zum Beispiel, wenn mir gesagt wird, dass „Christsein“ bedeutet, alles hinter mir zu lassen, was mir wichtig ist. Alles stehen und liegen zu lassen – und nur noch Jesus zu folgen. Und wenn ich das nicht kann, dann bin ich nicht würdig. Irgendwie kann ich verstehen, wenn Leute da sagen: „Da bin ich raus.“ Oder wenn meine Freunde meinen: „Ehrlich, Claudius: Bei solchen Ansprüchen wundert Ihr euch, dass es mit der Kirche bergab geht?“

Doch ehe ich den Kirchen-Kritikern da nun Recht gebe: Vielleicht sind ja gar nicht diese Sätze das Problem – sondern dass ich sie falsch verstehe. Ich habe vielleicht ein ziemlich eingeschränktes Verständnis von unbedingter Nachfolge. Oder mir ein ziemlich eingeschränktes Verständnis aufschwatzen lassen. Denn Jesus fordert uns ja nicht wirklich dazu auf, dass wir alle alles stehen und liegen lassen sollen. Um es mal auf die Spitze zu treiben: Jesus sagt nicht: „Du, junge Mutter, junger Vater – kümmere dich nicht um Dein Neugeborenes. Geh beten!“ Er sagt auch nicht: „Du, der Du dich um Deinen pflegebedürftigen Vater kümmerst – lass ihn liegen und geh ins Kloster.“ Er sagt nicht: „Kündige auf der Arbeit – und vertrau darauf, dass der liebe Gott Deine Miete zahlt und für Dich einkaufen geht.“ Das ist Quatsch. Und wer Jesus so versteht, der will Ihn gehörig missverstehen.

Richtig ist: Der liebe Gott will uns ganz. Er soll für uns das Wichtigste sein. Das Entscheidende. Das Maß der Dinge. Aber: Er soll es im Leben sein. In dem, was ich täglich tue, soll ich mich an Ihm orientieren. Und zwar in allem, was ich tue. Den Alltag heiligen, hat das ein kluger Mann einmal genannt. Heiligen – nicht entfliehen. Also stehen, wo der liebe Gott mich hingestellt hat.

Um das in mein Leben zu übersetzen, erinnere ich mich gerne an einen Film. In dem geht es um einen jungen Mann, der an den Olympischen Spielen teilnehmen möchte. Aber: Er hat Zweifel. Weil er sich eigentlich berufen fühlt, als Missionar tätig zu sein. Er will sich ganz in den Dienst Gottes stellen – und als Läufer, so meint er, macht er das ganz offenkundig nicht. Er spricht deshalb mit seinem Vater und fragt ihn, ob es wohl gottgefällig sei, den ganzen Tag im Kreis zu laufen. Und sein Vater – ein wirklich treuer Kirchgänger und ziemlich überzeugter (wir würden wahrscheinlich sagen: konservativer) Christ – der überlegt nicht lange und sagt: „Mein Sohn, man kann den Herrn auch dadurch preisen, dass man eine Kartoffel schält, wenn man sie perfekt schält.“ Glaube ist nicht Zuckerbrot und Peitsche. Sondern das Wissen darum, dass ich zu Größerem berufen bin. Und manchmal heißt das eben:

Kartoffeln schälen - ganz bewusst und hingebungsvoll. Das allein kann schon Gottesdienst sein.

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