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Kirche in WDR 2 | 13.11.2023 | 05:55 Uhr

Weiße Masken

Es ist ein eigenartiges Bild: Ein voll besetztes Fernsehstudio, vielleicht hundert Zuschauer. Alle tragen weiße Masken. Und sie johlen und klatschen. Der Grund für die gute Laune ist befremdlich: Sie beklatschen das Unglück eines anderen. Auf einem großen Bildschirm verfolgen sie den Tagesablauf eines jungen Mannes. Er ahnt nicht, dass er mit versteckten Kameras gefilmt wird. Immer wieder gibt der Moderator dem maskierten Publikum die Gelegenheit, aktiv in das Geschehen einzugreifen: Soll der junge Mann eine schöne Überraschung erleben? Oder ein Unglück? Und jedes Mal entscheiden sie sich für das Unglück: Er verliert seinen Job, seine Freundin verlässt ihn, seine Wohnung wird verwüstet. Schließlich entscheiden sie fröhlich, ihm einen Trupp von Schlägern auf den Hals zu hetzen. Lachend beobachten sie, wie der Mann in Todesangst wegläuft. Geradewegs auf die Straße. Genau vor ein Auto. Leblos bleibt er auf der Straße liegen. Das Johlen im Studio erstirbt. Die Unsicherheit ist greifbar. Erste Zuschauer nehmen die Masken ab. Betroffen. „Wie konnten wir so etwas nur tun?“


Der Moderator klärt auf: Dem Mann geht es gut. Das Ganze ist ein psychologisches Experiment gewesen. Wie verhalten sich Menschen, wenn sie unerkannt, in einer Masse handeln? Daher die Maske. Das Ergebnis ist gruselig: In der Masse sind Menschen offenbar zu allem fähig. Wenn man die eigene Verantwortung abgeben kann, unerkannt bleibt, fallen die Hemmungen.


Vielleicht ist das der Grund, warum der ruhige, ältere Herr von nebenan auf der Autobahn zum rücksichtslosen Raser wird. Oder warum die nette Verkäuferin aus dem Supermarkt anonym im Internet ohne Bedenken Menschen mobbt und auf das Schlimmste beleidigt.


Sind wir Menschen einfach so? Dieser Gedanke erschreckt mich. Weil ich mich frage: Gibt es das dann vielleicht auch bei mir? Momente, in denen ich in der Masse abtauche? Mitmache? Mitlästere, schimpfe, verachte? Hasse? Einfach, um mitzumachen? Ich erinnere mich an die Schöpfungsgeschichte. Kurz nach der Sache mit der verbotenen Frucht versteckt sich Adam im Gebüsch. Er schämt sich. Aber Gott ruft ihn: „Wo bist du, Adam?“ Und da muss er hinter seinem Busch hervorkommen und Farbe bekennen. Die Bibel weiß: Das Leben fragt nach persönlicher Verantwortung. Wegducken ist nicht. Gegen die Grausamkeit der anonymen Masse hilft nur: Aufstehen und sichtbar werden. Denn: Irgendwann muss man sich erklären. Entweder, indem man sich seiner Taten schämt. Oder, indem man sich sichtbar macht und Verantwortung übernimmt, solange es noch Zeit ist. „Wo bist du, Adam?“ Ja, wo bin ich eigentlich? Und du, Eva?



Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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