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Kirche in WDR 2 | 16.11.2023 | 05:55 Uhr

Tote verabschieden

November ist der Monat der Toten. In den Blumengeschäften und bei den Discountern liegen sie schon seit Wochen herum – die vertrockneten, traurigen Gestecke für die Gräber unserer Liebsten für - den letzten Sonntag im Monat – den Totensonntag. Dabei glauben wir Christen doch an die Auferstehung! Bunter müsste es eigentlich zu gehen!


Doch was ist mit jenen, die kein Grab haben? Wie soll man, darf man, kann man sie betrauern? Der Bruder meiner Freundin ist psychisch krank gewesen. Seit vielen, vielen Jahren. Teil seiner Krankheit ist die Aggression gegen sich und gegen andere gewesen. Helfen lassen wollte er sich nicht. Jede Hilfe hat er kategorisch abgelehnt. Dann ist er verstorben. Seinen letzten Willen hat er noch geäußert – einem Freund gegenüber. Sorge Du dafür, dass meine Schwestern nicht zur Beerdigung kommen.


Da sitzt sie nun meine Freundin. Die Asche ihres Bruders – verschwunden in einem Gräberfeld. Ihre Wut und die Trauer eingegraben in den eigenen Knochen. Was hat sie sich um diesen Bruder bemüht, denke ich. Was hat sie für Schläge hinnehmen müssen. Irgendwann hat sie gesagt: Ich kann ihn nicht retten. Er will mich einfach nicht in seinem Leben. Damit muss ich mich abfinden.


Ein geliebter Mensch – gestorben – irgendwo begraben. Wie sich verabschieden?

Meine Freundin hat eine gute Idee: „Wir machen ein Feuer im Garten und verbrennen seine Unterlagen“. Sagt sie. „Die ganzen Mahnbescheide und was sonst noch so in meiner Schublade gelandet ist“.


Es ist trübe im Garten. Die Blätter fallen. Das Feuer brennt. Ich beginne, zu reden: „Meine liebe Freundin: Lass uns Gott danken für die guten Zeiten, die wir mit Karl gehabt haben. Hilf uns auch, loszulassen all das, was wir ihm schuldig geblieben sind. Und er uns. Und gib du uns die Kraft, uns mit ihm zu versöhnen“.

Ich habe natürlich noch viel mehr gesagt. Ich weiß die Worte nicht mehr. Danach haben wir eine Hühnersuppe gegessen. Über dieses und jenes geredet.


Auf dem Weg nach Hause habe ich auf einmal diesen Frieden gespürt. Ein paar Tage später schickt meine Freundin ein Foto – die Grableuchten an der Feuerstelle, sie brennen immer noch. Umgeben von einem Kranz aus Efeu – dem ewigen Grün – Zeichen der ewigen Hoffnung. Das Feuer brennt auch in uns. Nennen wir es Liebe. Nennen wir es Vergebung. Nennen wir es Versöhnung. Rituale wirken – können Wirklichkeit verändern. Sie helfen uns, mit dem Leben wieder klar zu kommen. Und sei es auch noch so schwer.


Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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