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Kirche in WDR 2 | 17.11.2023 | 05:55 Uhr

Das Böse mit dem Guten besiegen

Ich sitze in einem Kirchencafé, zusammen mit einem Flüchtling aus dem Iran. Die Flucht über das Meer hat er nur knapp überlebt. Was ihm Halt gegeben hat? Ein Kreuz – ja, Sie haben richtig gehört. Das Symbol des christlichen Glaubens. Woher hat er das Kreuz gehabt? Von seiner Mutter, einer Christin? Hat sie es ihm mit auf die Flucht gegeben? Ich weiß es nicht. Im Kampf um`s Überleben – auf dem offenen Meer – habe ich mich an das Kreuz geklammert“, erzählt Elyas. Jetzt hat er sich taufen lassen. Früher ist er ein radikaler Moslem gewesen, ein Islamist. Jetzt ein Christ. Dazwischen: Kritik am Regime im Iran – politischer Widerstand. Seine Freunde haben sie gehängt. Er hat Glück gehabt, ist über die Türkei geflohen. Über die Berge, durch die Wälder. „Manchmal haben wir nicht gewusst, wo wir überhaupt sind“, erzählt er.


Wird er abgeschoben, erwartet ihn im Iran die Todesstrafe. Ich versuche ihm, Mut zu machen. „In den Iran wird nicht abgeschoben“, sage ich. Zu Hause google ich: Abschiebungen in den Iran bis Ende des Jahres ausgesetzt. Das darf doch nicht wahr sein. Bis Ende des Jahres? Was soll sich bis dahin geändert haben? Für Regimekritiker, die im Fall einer Abschiebung zu Hause gehängt werden? Nichts – gar nichts.


„Ich will hier arbeiten“, sagt er mir. „Aber ich darf nicht“. Das Asylverfahren läuft noch. Für Anfang zwanzig ist er erstaunlich erwachsen. Elyas hat wunderschöne Zähne und ein bezauberndes Lächeln. Wie er danke sagt, zu dem Kellner mit dem down Syndrom – wie er ihn anschaut– wie liebevoll, denke ich.

„Die Wahrscheinlichkeit im Iran geboren zu werden, liegt bei 99 Prozent“, rechnet er mir vor. Ob die Zahl stimmt, keine Ahnung. Davon mal abgesehen: Er hat Recht. Er hat Pech gehabt.


„Ich fühle mich schuldig“, sagt er. „Meine Freunde sind tot – nur ich habe überlebt. Mit dieser Schuld muss ich nun leben“. Man kennt sie – die Schuldgefühle der Überlebenden. Vom Holocaust, den Kriegen und anderen Katastrophen.


Ich bin in Deutschland geboren. Ich fühle mich nicht schuldig. Ich habe Glück gehabt.

Aber es macht mir etwas aus. Dieses davon gekommen zu sein. Warum ist die Welt so ungerecht? Das Leben? Ich habe die Bilder aus Israel im Kopf, aus dem Gazastreifen, dem Krieg in der Ukraine.


Das Böse mit dem Guten besiegen. So lautet Elyars Taufspruch aus dem Römerbrief.

Ich denke: Ja, das gilt auch für mich. Gegen das große Unrecht bin ich hilflos. Es ermattet mich. Aber im Kleinen kann ich etwas tun. Versuchen, das Böse mit dem Guten zu besiegen.


Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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