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Hörmal | 22.10.2023 | 07:45 Uhr

Wallfahrt zu Maria Salome

Mit dem Schiff über das Mittelmeer nach Europa zu kommen, ist lebensgefährlich. Das wissen wir nicht erst seit den Flüchtlingsströmen aus Nordafrika, Syrien und dem Libanon. Allein in diesem Jahr sind bei der Flucht über das Mittelmeer bereits mehr als 2.100 Menschen gestorben. Und das ist noch nicht die Dunkelziffer. Gerade die zentrale Route übers Meer gilt weltweit als die tödlichste. Trotzdem machten sich zuletzt jährlich über einhunderttausend Menschen auf den Weg, getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben in Europa. Dabei werden sie oft von Schleppern in Booten verfrachtet, die kaum seetüchtig sind. Das ist mehr als fahrlässig!

Bereits in der Antike, also vor 2.000 Jahren, hat man Vertriebene in Schiffe verfrachtet und auf dem Mittelmeer ausgesetzt. Das war nicht fahrlässig, sondern vorsätzlich, nämlich ohne Steuermann, Segel und Ruder. Das Schiff sollte untergehen. So berichtet es eine mittelalterliche Legende über die Heilige Maria Salome. Deren Gedenktag ist heute. Ich bin dieser Geschichte begegnet in meinem Sommerurlaub, in Südfrankreich. In der Stadt Les-Saintes-Maries-de-la-Mer wird heute die Heilige gefeiert. Die Legende erzählt, dass Maria Salome zusammen mit Maria Jakobäa und ihrer Dienerin Sara-la-Kâli sowie Maria Magdalena und weiteren Christen etwa um das Jahr 45 Opfer einer ersten Christenverfolgung waren. Und sie wurden, wie beschrieben, auf dem Mittelmeer ausgesetzt. Aber: Wie durch ein Wunder ging ihr Schiff nicht unter, sondern wurde an die Küste Südfrankreichs geführt. Durch die Überlebenden verbreitete sich dann von hier aus das Christentum bis ins Landesinnere hinein und hinterließ seine Spuren bis heute. Immerhin, die drei heiligen Marien standen nach biblischer Überlieferung unter dem Kreuz Jesu (Vgl. Mt 27, 56) und waren die ersten an seinem leeren Grab gewesen (vgl. Mk 16,1); sie waren also christliche Zeuginnen der ersten Stunde! Kein Wunder, dass der Ort ihrer Ankunft in Südfrankreich später nach ihnen benannt wurde: Les-Saintes-Maries-de-la-Mer – Die Heiligen Marien vom Meer.

Maria Salome, Maria Jakobäa und Sara siedelten sich dann an diesem Ort an und haben ihre Glaubensspuren hinterlassen. Denn schon bald nach ihrem Tod wurden über ihrem Haus und ihrer Grabstätte erst eine Kapelle und später dann eine Kirche errichtet. Heute findet hier zweimal im Jahr eine Wallfahrt statt und zwar am 24. bzw. 25. Mai und eben am 22. Oktober, wenn tausende Pilger an den Ort der drei Frauen kommen. Und bei beiden Festterminen gibt es besondere Rituale. Einmal werden die Reliquien in einem eigenen Schrein aus einer Oberkapelle, wo sie heute aufbewahrt werden, auf den Altar der Kirche herabgelassen, so dass ihn alle Pilger berühren können. Und es wird eine Barke mit den Figuren der beiden Heiligen Marien ins Meer getragen, um so die Ankunft der ersten Christen hier quasi nachzuspielen. Dann wird das Meer gesegnet, denn es gilt Dank zu sagen für die sichere Ankunft und auch um Schutz zu erbitten vor den Gefahren, die vom Meer ausgehen.

Die Legende unterstreicht einmal mehr, wie wichtig es den Menschen in Südfrankreich immer noch ist, verbunden zu sein mit den ersten Glaubenszeugen der Christenheit. Und die Rituale zeigen etwas von den Gefahren, die vom Meer ausgehen, und von dem menschlichen Vertrauen, das es braucht, sich dem Meer auszusetzen. Ich würde mir wünschen, dieser Segen für das Meer würde auch denen gelten, die heute flüchtend dem Mittelmeer schutzlos ausgesetzt sind.

Wer weiß, welche Geschichten einmal überliefert werden von den Flüchtlingen, die über das Mittelmeer zu uns kommen und welche Spuren sie hinterlassen werden.


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