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Kirche in WDR 2 | 07.11.2023 | 05:55 Uhr

Den Hass beenden

Eigentlich wäre ich genau jetzt in Israel. Ich würde auf den See Genezareth schauen und im Pilgerhaus von Tabgha mit Sr. Petra frühstücken. Sie war meine alte Lehrerin von der Liebfrauenschule in Mülhausen und ich hatte sie im letzten Dezember durch das Heilige Land geführt. Sr. Petra war so begeistert von Tabgha, dass sie dort ab August als Volontärin gearbeitet hatte. Und ich wollte sie in dieser Woche überraschen mit einem Spontanbesuch – an dem Ort, an dem ich vor bald 25 Jahren meinen Zivildienst gemacht hatte und der mir so viel bedeutet.

Heute vor einem Monat wurden all diese Pläne zunichte. Heute vor einem Monat begann das unvorstellbare Leid. Sr. Petra wurde, wie viele deutsche Volontäre, ausgeflogen und ist zurück am Niederrhein. Der Nahe Osten versinkt im alten Bruderkrieg. Und ich habe in den letzten Wochen öfter an meine Zivildienstzeit gedacht. Und wie damals Frauen daran gearbeitet hatten, mehr Frieden in diesen Bruderkrieg zu bringen. In Tabgha, müssen Sie wissen, gibt es eine Begegnungsstätte für Christen, Muslime, Juden. Und damals hat eine palästinensische Frauenrechtlerin, Sumaya hieß sie, immer Friedenscamps gemacht. Dazu kamen israelische Frauen, palästinensische und auch deutsche Frauen zusammen – um zu reden. Und diese Camps, die hatten fast immer denselben Ablauf. Zuerst hatten sich die israelischen und die palästinensischen Frauen gegenseitig vorgeworfen, was alles schief gelaufen war im Friedensprozess. Und dann: Kamen die Deutschen. Und die dachten meist, sie könnten den anderen jetzt mal schnell den Nahostkonflikt erklären. Man müsse doch „einfach mal“…. Allerdings sind die deutschen Frauen dann meist gar nicht weiter gekommen. Denn die israelischen Frauen und die palästinensischen Frauen taten sich zusammen.

Die israelischen Frauen haben die Deutschen an ihre Vergangenheit erinnert und dass Deutsche nach Ausschwitz nicht vorschnell Vorschläge machen sollten in Sachen Menschenrechte. Die palästinensischen Frauen fragten: „Wer hat uns diesen Konflikt denn eingebrockt? Bevor Ihr Europäer mit Eurem Kolonialwahn kamt, haben hier Juden und Muslime friedlich gelebt“. Bei den Deutschen Frauen war dann meist erstmal betretenes Schweigen. Und nachdem sich alle berappelt hatten – und das haben diese Frauen fast immer geschafft – wurden die Gespräche konstruktiver. Friedlicher.

Seit meinem Zivildienst 1999 in Israel bin ich als Deutscher sehr kleinlaut, irgendwelche Ratschläge zu geben zum Nahostkonflikt. Und seit dem 7. Oktober fällt mir das umso schwerer. Denn Fakt ist: So ein Pogrom an Juden wie vor einem Monat hat es in 70 Jahren nicht gegeben, da der Staat Israel nun besteht. Und dass ich heute doch etwas zu der Thematik hier sage, das liegt daran, dass übermorgen der 9. November ist. Vor 85 Jahren war die Reichspogromnacht. Und all der Hass gegen die Juden, der vielen Deutschen tiefer in der Seele lag, als sie bis dahin gezeigt hatten, all dieser Hass nahm von da ab seinen grausamen Lauf.

Und mir schauderts, wenn ich jetzt sehe, wie hierzulande der Hass wieder steigt. Der Niederrheiner Hanns Dieter Hüsch hat einmal gesagt: „Es hat noch niemand den Hass besiegt, ohne ihn selbst zu beenden.“[1] Darum geht es. Weniger Hass. Und wo wir gerade beim Hass sind: Mir scheint – ganz selbstkritisch – wir Männer sind besonders gute Hasser. Leider. Ich frage mich schon, ob es so weit gekommen wär wie zum 7. Oktober, wenn auf beiden Seiten Frauen das Sagen gehabt hätten. Jedenfalls habe ich damals im Tabgha erfahren, wie Frauen im Gespräch bleiben. Und hoffe sehr, dass die Zeit kommen wird, da wieder gemeinsam gesprochen wird: über die Verwundungen, über den Frieden, über die Hoffnung auf ein gemeinsames Leben in diesem so schönen Land, das ich eigentlich gerade wieder besuchen wollte.


[1] http://www.hüsch.org/html/ichsetzeaufdieliebe.html

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