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Kirche in WDR 2 | 01.12.2023 | 05:55 Uhr

Zweifel

„Muss ich das alles eigentlich glauben?“, fragt mich Leo. Leo ist ein cooler Typ. 14 Jahre alt und überlegt, bei mir am Konfirmandenunterricht teilzunehmen. Freunde haben ihm erzählt, „das bringt´s“. Und er ist interessiert an religiösen Fragen und vor allem, das sagt er auch, an guter Gemeinschaft und neuen Freunden.


Aber er hat Sorge, Dinge glauben zu müssen, die er nicht glauben kann. – „Du musst nicht glauben“, sage ich. „Glaube ist immer freiwillig. Und letzte Wahrheiten hat doch keiner von uns.“ – „Echt?“ Leo ist überrascht. „Hab` ich nicht gewusst.“


„In der Kirche musst du deinen Verstand nicht an der Kirchentür abgeben“, sage ich. „Beides ist ein Teil von Dir und gehört zusammen.“ Und „Glauben heißt für uns auch: versuchen zu verstehen, auch bei Religion mal kritisch nachzufragen – und auch mal zu zweifeln“, ergänze ich noch.


Ich liebe die Geschichte von Thomas in der Bibel. Der ist sogar ein Jünger von Jesus. Doch er tut sich schwer, sehr schwer, insbesondere mit der Auferstehung von Jesus. Obwohl gerade die für unseren christlichen Glauben doch so grundlegend ist. Thomas wünscht sich sichtbare Zeichen. Jesus hört ihm zu und sagt diesen schönen Satz: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben.“ Tja. Blöd gelaufen? Nein! Thomas bleibt sein Jünger und das scheint auch für Jesus absolut ok. Eine Mutmachgeschichte: Wer glaubt, darf auch zweifeln.


Ich glaube inzwischen sogar, dass der Zweifel den Glauben erst reifen lässt. Ein spannendes, ein sehr persönliches Thema, gerade für die Diskussion mit jungen Menschen. Aber auch für das Leben insgesamt: Ich habe Zweifel an politischen Entscheidungen, immer auch an Autoritäten, weil: Keiner ist perfekt und niemand hat die absolute Wahrheit. Ich habe meine Zweifel auch an der Kirche. Und ich habe Zweifel an mir selbst.


Menschen ohne jeden Zweifel und Selbstzweifel werden schnell selbstgerecht und zerstörerisch. Das lehrt die Menschheitsgeschichte. Und wir erleben es jeden Tag neu mit den Nachrichten aus Russland, der Ukraine, Israel, dem Gazastreifen, aus jedem Kriegsgebiet der Welt.


Daher ist es gut, mit einem leisen Zweifel zu leben. Gerade dann, wenn man meint, sich selbst ganz sicher zu sein. Und das wünsche ich mir auch von denen, die anders glauben und entscheiden als ich. Absolute Wahrheit mag allein Gott haben. Ich kann mit dieser Haltung ganz fröhlich leben und trotzdem vertrauen. Das lernt man auch im Konfirmandenunterricht. Wenn alles gut geht. – Übrigens: Leo ist bei uns geblieben und will sich konfirmieren lassen.


Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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