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Kirche in WDR 2 | 04.12.2023 | 05:55 Uhr

Ein Koffer mit sechs Sachen

Heute ist wieder Montag, und weil heute Montag ist ist das Wochenende leider auch schon wieder vorbei. Tja. Und nicht nur das Wochenende ist vorbei, auch das Kirchenjahr ist zu Ende gegangen. Mit einer Geschichte, die für mich zu den eindrucksvollsten Geschichten in der ganzen Bibel zählt. Und bei uns im Gottesdienst, da haben wir sie mit den Kindern so erzählt: In der Kirche hat ein Koffer gestanden. „In dem Koffer ist alles drin, was du von Gott wissen musst“, hat Tanja gesagt, die in die Geschichte eingeführt hat. Und dann hat sie mit den Kindern den Koffer aufgemacht. Und was war drin? Ein Mantel, ein Fieberthermometer für ein Pferd, eine Flasche Wasser, ein Fremdwörterbuch, ein Schlüssel und vier Brote. Wir haben überlegt, was man mit den Sachen machen kann: Den Mantel kriegt der, dem es kalt ist. Mit dem Fieberthermometer gehen wir zum kranken Pferd und überlegen, ob wir den Tierarzt rufen müssen. Das Wasser bringen wir zu dem, der Durst hat. Mit dem Fremdwörterbuch erklären wir einem Geflüchteten unsere Welt, in der er jetzt lebt. Mit dem Schlüssel machen wir eine Tür auf, hinter der einer eingesperrt ist. Zum Beispiel in einem Gefängnis. Und was machen wir mit dem Brot? „Das bringt mir einer vorbei, wenn ich Hunger habe“ hat ein Mädchen gesagt.

Da lagen sie nun, die sechs Sachen. Und was haben die nun mit Gott zu tun? Das hat uns dann eine Art magischer Satz erklärt. Jesus sagt in der Geschichte nämlich: „Was du für einen Geringsten getan hast, das hast du für mich getan.“ Und mir sind sofort Menschen und Tiere eingefallen, die wir geringschätzen, was bedeutet: die wir übersehen, die wir nicht für voll nehmen, ausnutzen, erniedrigen, quälen. Den Anrufer, den ich am Handy wegdrücke, weil er nervt. Die Schweine und Hühner in den Schlachtanlagen. Geflüchtete, die zunehmend lästig werden. Die demente Oma im Altenheim, die Tiere auf der roten Liste der aussterbenden Tierarten. Die Schülerinnen und Schüler der Förderschule, die lärmend durch die Straße rennen. Die Menschen, die auf ihren Rädern im strömenden Regen durch die Stadt flitzen und uns Pizza, Bier und Chips nach Hause bringen.

Und die Geschichte ist eindeutig: Wenn du etwas von Gott wissen willst, dann darfst du ihren Blicken nicht ausweichen. Gott wohnt nicht in einer prunkvollen Kathedrale. Er trägt keine brokatverzierten Gewänder und auch keine Krone spazieren. Er blickt dir in die Augen, wenn du zum Beispiel Fred begegnest. Der wurde von einem Priester missbraucht, hundertfach, und muss nun um jeden Groschen Entschädigung betteln. Und traut sich noch immer nicht, einen Raum ohne Fenster zu betreten.

Die Geschichte ist nicht deswegen wichtig, um Angst zu machen. Sondern deswegen, weil sie zeigt, dass der Gott der Bibel eindeutig Partei ergreift für all die Übersehenen, für die ohne Lobby und Stimme, für die, die keine Hoffnung mehr haben. Die Geschichte sagt, dass Gott sie nicht vergessen wird. Auch dann nicht, wenn die Menschen das längst getan haben. Denn wenn es so wäre, wäre die Welt ja ein zynischer, kalter Ort. Im Gottesdienst haben wir die vier Brote genommen und sie so lange unter den Kindern geteilt, bis alle was hatten. Und da haben alle kapiert: Auch wir können mit dem Vergessen aufhören. Dann beginnt der Himmel zu leuchten. Hier und jetzt. Und nicht nur an einem Montagmorgen.

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