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Kirche in WDR 2 | 23.01.2024 | 05:55 Uhr

Glücklich im Unglück?

Es ist so eine Art Morgenritual: Eine Tasse Kaffee, Haferflocken. Und dabei auf dem Tablet einmal quer durch die aktuellen Nachrichten. Dann bin ich bereit für den Tag. Aber neulich bleibe ich bei einem Artikel einfach hängen. Es geht da um den Krieg in der Ukraine. Ein ukrainischer Mann wird interviewt. Er geht von einem langen Krieg aus. Sagt er. Aber er sagt das nicht düster. Sondern fügt hinzu: „Wenn der Krieg lange dauert, heißt das auch, dass man das Leben nicht auf die Zeit nach dem Krieg verschieben kann. ‚Wir müssen lernen, auch zu Kriegszeiten glücklich zu sein.‘“ Das packt mich. Kaffee und Haferflocken sind vergessen. Mitten im Krieg glücklich sein. Also: Mitten im Chaos, in Angst, in Sorge? Mitten im Unglück? Geht das überhaupt? Schwer vorzustellen. Ich erlebe es eher andersherum. Ich denke an die junge Frau von neulich, die mir erklärt hat: „In einer so katastrophalen Zeit kann ich doch keine Kinder in die Welt setzen.“ Obwohl sie so gerne Mutter sein will. Oder an den Rentner von nebenan, der sich total sicher ist: Wenn die Politiker nicht sofort alles anders machen, dann hat er in spätestens drei Jahren alles verloren, was er sich je aufgebaut hat. Fast alle reden momentan vom Untergang. Eine Schlagzeile düsterer als die andere: Selbst wenn die Lage bei uns gar nicht so schlimm ist, das Stimmungsbarometer steht auf: „Das wird nichts mehr!“ Und da ist da einer in Kiew, umgeben von Drohnen, Bomben und Angst, und redet vom Glücklichsein. Ob man das wirklich lernen kann? Sich von seinen Sorgen und Ängsten nicht lähmen zu lassen? Glücklich sein mitten in der Not? Ich erinnere mich an ein Wort Jesu. Der sagt einmal: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich!“ (Joh 14,1) Vielleicht ist das der Schlüssel: Vertrauen haben. Vertrauen, dass die Dinge, die einem Sorgen machen, kein unabwendbares Schicksal sind. Aufgaben sind sie, nicht schreckliches Urteil. Belastend, schmerzhaft manchmal, ja. Aber sie sind nicht alles, was mein Leben ausmacht. Und nicht das Wichtigste. Wenn ich mitten in den Sorgen solches Vertrauen habe, kann ich wahrscheinlich wirklich lernen, mitten in der Not glücklich zu sein. Und mir so die Kraft bewahren, weiterzumachen, ohne zu resignieren. „Wir müssen lernen, auch zu Kriegszeiten glücklich zu sein!“ Na prima, der Kaffee ist kalt. Die Haferflocken sind matschig. Aber der Gedanke ist schon faszinierend.


Quelle: SPON, Morgenlage 2.12.2023


Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth


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