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Hörmal | 28.01.2024 | 07:45 Uhr

Bibel und Elijah Levita

Als ich noch klein war und noch nicht lesen konnte, da hat mir meine Großmutter oft etwas vorgelesen. „Grimms Märchen“ und „Tausendundeine Nacht“ standen da auf der Liste - aber auch Geschichten aus der Bibel. Dabei fand ich die Geschichten aus dem Alten Testament besser als die aus dem Neuen. Denn da gab es mehr Action: David kämpft gegen Goliath, Daniel muss in eine Löwengrube, Joseph wird von seinen Brüdern nach Ägypten verkauft, Moses führt sein Volk durch das Rote Meer und vieles andere. Das waren allesamt spannendere Geschichten als die von Jesus, unterhaltsames Storytelling im besten Sinne – jedenfalls für mich als Kind.

Heute lese ich die Bibel natürlich anders. Heute sehe ich: Hinter den spannenden Geschichten eröffnen sich philosophische Fragen nach dem Woher und Wohin des Lebens. Und immer wieder die uralte Frage: Wie wollen und können Menschen zusammenleben? Heute ist die Bibel für mich mehr eine Zusammenstellung von Geschichten ganz vieler Menschen. Sie haben ihre Erfahrungen aufgeschrieben. Immer unter dem Vorzeichen: Es gibt einen Gott, dem die Geschichte der Menschen nicht egal ist. Und ich kann nur sagen, die Beschäftigung mit der Bibel lohnt sich – sogar, wenn man nicht an Gott glaubt. Immerhin, die Bibel gehört bis heute zur Weltliteratur. Von daher muss der ökumenische Bibelsonntag, der heute deutschlandweit begangen wird, nicht bloß eine Einladung an evangelische und katholische Christen sein, in der Bibel zu lesen.

Zum Bibelsonntag passt übrigens heute noch ein Gedenktag. Denn heute vor 450 Jahren verstarb der jüdische Gelehrte Elijah Levita, mit fast 80 Jahren. In Bayern geboren, war Elijah Levita Sprachenwissenschaftler, Übersetzer und jiddischer Dichter. Ihm verdankt die Bibelwissenschaft wichtige Erkenntnisse zur hebräischen Sprache und Grammatik und damit zur Überlieferungsgeschichte der biblischen Texte. So stellte er fest: Die richtige Aussprache hebräischer Worte beruht auf Zeichen im biblischen Text, die es in den älteren Handschriften gar nicht gab, sondern die später erst ergänzt wurden. Heute schwer vorstellbar: Aber das hatte damals Sprengkraft. An der Bibel wurde etwas ergänzt? Seine jüdischen Zeitgenossen hatten die Vorstellung: Der hebräische Bibeltext sei eindeutig von Gott mitgeteilt und nicht von Menschenhand später verändert worden. So gesehen war Elijah Levita ein scharf denkender und kritischer Wissenschaftler. Er hat damals traditionelle Vorstellungen hinterfragt, auch gegenüber seiner eigenen Religion.

Von Elijah Levita muss schließlich noch etwas erwähnt werden: Auch zu seinen Lebzeiten gab es Vertreibung und Diskriminierung von Juden. Wahrscheinlich war das der Grund, warum er bereits als junger Mann nach Italien ausgewandert war. In Italien jedenfalls konnte er dann seine wissenschaftlichen Fähigkeiten entfalten. In Padua, Rom und Venedig unterrichtete er sogar christliche Gelehrte und höhere kirchliche Würdenträger. Ihnen brachte er die hebräische Sprache bei und erschloss ihnen dadurch auch das Verständnis für biblische Texte. Kein Wunder, dass Elijah Levita von ihnen anerkannt und sogar sehr geschätzt wurde in einem Klima von Toleranz und wechselseitigem Respekt.

Das ist lange her. Umso erschreckender finde ich: Heute planen bestimmte Gruppen in unserem Land wieder, Menschen zu vertreiben. Das muss ein Ende haben – nicht zuletzt, weil Respekt ein Gebot der Bibel ist.

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