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Hörmal | 21.04.2024 | 07:45 Uhr

Vergeben und vergessen

„Jetzt stell dich doch nicht so an.“, sagen sie ihm. „Meine Güte! Er ist doch dein Bruder. Er hat sich doch entschuldigt. Warum vergibst du ihm denn nicht? Wie kannst du so herzlos sein?“ „Jetzt hab dich doch nicht so“, sagen sie ihm. „Wir wollen doch alle endlich wieder Frieden in der Familie. Dieser ewige Streit. Denkst du denn auch mal an uns?“ Alle sind sich einig: „Man muss auch mal einen Schlussstrich ziehen können.“ Kann er aber nicht. Zu viel ist passiert. Der Bruder hat ihn hintergangen. Viel Geld zurückbehalten, dass eigentlich ihm zusteht. Und das er dringend braucht. Hat alles Mögliche über ihn erzählt, ihn schlechtgemacht vor Freunden und in der Familie. Und als es dann zum großen Knall kommt, da hat er einfach gesagt: „Entschuldigung. Tut mir leid.“ Und ihm die Hand gereicht. Und alle waren glücklich und haben gedacht: „Wie schön, jetzt ist es wieder gut.“ Aber es ist nicht gut. Weil es noch weh tut. Das, was der Bruder da mit ihm gemacht hat, hat ihn tief verletzt. Das kann man nicht so einfach mit einem „Entschuldigung“ wieder gut machen. Aber alle erwarten das von ihm: „Ein Christenmensch muss vergeben können.“ Hat schon die Oma immer gesagt. Er weiß: Sie meinen es nur gut. Eigentlich. Sie wollen endlich Frieden. Und sie wollen ihre Ruhe. Wahrscheinlich merken sie gar nicht, dass sie ihn mit ihren Erwartungen ein zweites Mal verletzen. Denn: Jetzt leidet er nicht nur unter dem, was sein Bruder ihm angetan hat. Er wird auch noch schief angesehen dafür, dass er einfach nicht aufhören kann, darunter zu leiden. Vergebung ist so eine Sache: Zum einen können Menschen nur dann überhaupt friedlich zusammenleben, wenn sie sich gegenseitig vergeben, was zwischen ihnen schiefläuft. Und das kann ja nun eine ganze Menge sein. Nicht umsonst sagt Jesus einmal: Nicht nur sieben Mal, sondern siebenundsiebzig Mal soll man einander vergeben. (Mt 18,22) Vergeben ist wichtig. Aber es ist eben auch kein Automatismus. Nichts, was man sich einfach so vornimmt. Und schon gar nicht etwas, das man einfordern kann. Einfach einen Schlussstrich ziehen – so funktioniert das eben nicht. Vergeben können hat wohl eher etwas mit Heilung zu tun. Da ist etwas zerrissen: Vertrauen, Miteinander. Zuneigung. Und das muss erst einmal wieder zusammenwachsen. Das „Entschuldigung, es tut mir leid.“ ist dabei nicht der Schlussstrich, sondern lediglich ein erster Schritt, der die Heilung in Gang setzt. Das eigentliche Ziel ist erst dann erreicht, wenn das Opfer seinen Schmerz überwunden hat. Und das dauert so lange, wie es eben dauert. Vielleicht Monate, vielleicht Jahre. Vielleicht Generationen. Manchmal ist es unmöglich. Je nachdem.



Redaktion: Landespfarrer Dr. Titus Reinmuth

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