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Kirche in WDR 2 | 06.04.2024 | 05:55 Uhr

Nathan

Ich hab’s in der Schule gelesen und Sie vielleicht auch. „Nathan der Weise“ steht immer noch auf der Lektüreliste, wenn man Abi machen will. Dabei ist das Stück von Lessing fast 250 Jahre alt. Entstanden ist es wegen eines Streits mit der Kirche, konkret: dem Hauptpastor von Hamburg. Der war so mächtig, dass er dafür sorgt, dass Lessing seine Publikationserlaubnis verliert. Deshalb probt Lessing den zivilen Ungehorsam. Er will testen, „ob man ihn wenigstens auf seiner alten Kanzel, dem Theater noch ungestört predigen lassen will“. Deshalb schreibt er „Nathan der Weise“.

Die Botschaft des Stücks ist ganz eindeutig: Die drei großen Religionen, also christlich, muslimisch und jüdisch sind gleichwertig. Sie müssen sich gegenseitig tolerieren. Doch Lessings Utopie von Vernunft und religiöser Toleranz entspricht nicht dem Zeitgeist. Nach der Uraufführung und mickrigen drei weiteren Vorstellungen wird das Stück abgesetzt.

Was ist passiert? Lessing hat einen Juden zum positiven Helden gemacht. Einen Vertreter einer damals in Europa komplett verachteten Minderheit. Aber seine Nathan-Figur streitet gegen religiöse Engstirnigkeit und für ein aufgeklärtes Gottesverständnis.

Der Literaturklassiker, der in der Zeit der Kreuzzüge spielt, geht so: Nathan ist ein reicher jüdischer Händler. Als er von einer Reise zurückkommt, hat sein Haus in Jerusalem gebrannt. Fast wäre Recher, seine Tochter, darin gestorben. Aus den Flammen gerettet hat sie ein christlicher Tempelritter. Der verliebt sich in die junge Frau und will sie heiraten. Doch Recher ist nicht Nathans leibliche Tochter. Sie ist Christin und quasi adoptiert. Als der christliche Patriarch von Jerusalem davon erfährt, will er Nathan auf dem Scheiterhaufen verbrennen.

Nathan entgegnet ihm: „Was heißt das schon? Jüdisches Volk, Christen, Muslime – wir haben uns das Volk, dem wir angehören, ja nicht ausgesucht. Sind wir denn in erster Linie Christ oder Jude? Nein, wir sind vor allem Menschen!“

Das ist heute so aktuell wie damals. Vielleicht hat Margot Friedländer auch Nathan der Weise gelesen. Die über 100-jährige Holocaust-Überlebende formuliert es so: „Wir sind alle gleich – es gibt kein christliches, muslimisches, jüdisches Blut. Es gibt nur menschliches Blut. (...) Wir sind Menschen, nichts anderes. Seid doch Menschen!“


Quellen:
https://www.swr.de/swr2/literatur/broadcastcontrib-swr-11646.html
https://www.deutschlandfunk.de/14-04-1783-lessings-schauspiel-nathan-der-weise-wird-uraufgefuehrt-dlf-c4a813c1-100.html
https://www.tagesspiegel.de/berlin/vor-zehn-jahren-war-das-nicht-so-berliner-holocaust-uberlebende-margot-friedlander-enttauscht-uber-angriffe-auf-judische-einrichtungen-10686073.html

(beide zuletzt abgerufen am 28. Februar 2024)



Redaktion: Rundfunkpastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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