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Kirche in WDR 2 | 16.04.2024 | 05:55 Uhr

Cancel Culture

Ein Kollege ruft in die Runde: „Michael Jackson kann man ja auch gar nicht mehr hören!“ Ich frage irritiert „Warum?“ und krieg‘ als Antwort: „Na, Du weißt schon!“ Sowas nennte man Cancel Culture. Also über ein Person sagen: Du, deine Musik höre ich nicht mehr, deine Bücher lese ich nicht mehr, weil du eine Ansicht vertrittst, die Menschen verletzt.


Der Begriff Cancel Culture kommt aus den USA: 2014 ist er spaßig gebraucht worden. Wenn man mit jemandem nichts zu tun haben wollte, dann hat man ihn oder sie gecancelt – also aus dem Adressbuch gelöscht. Inzwischen ist daraus ein ernster Begriff und eine Bewegung geworden. Mit grundsätzlich guten Ansichten.

Denn: unterdrückte oder an den Rand gedrängte Gruppen können durch diese Kultur jemandem von seinem Sockel zu stoßen – wie es bei uns auch heißt – auf sich und ihre Rechte aufmerksam machen. Sie können eine breite Öffentlichkeit dazu kriegen, ihre Argumente zu hören und ins Nachdenken zu kommen. Zum Beispiel über die Benennung von Straßen nach Menschen mit Migrationshintergrund und politischen Aktivisten an Stelle der oft noch alten Benennungen nach Generälen der Weltkriege oder Politiker der Kolonialherrschaft.


Die Cancel Culture stellt sich gegen beleidigende, diskriminierende, rassistische, antisemitische, frauenfeindliche und viele andere Inhalte und gibt denen, die davon betroffen sind eine Stimme. Das ist gut. Trotzdem hab‘ ich das Gefühl, das immer gleich alles in Frage gestellt wird, was eine Person gemacht hat. Aktuelles Beispiel? Regisseur Jonathan Glazer hat in seiner Rede bei den diesjährigen Oskars Israel für den brutalen Terrorangriff der Hamas am 07. Oktober 2023 verantwortlich gemacht. Gleichzeitig hat er mit dem Oskar-prämierten Film „The Zone of Interest“ einen Film gemacht, der dazu beiträgt, den Holocaust nicht zu vergessen.


Ich find’s schwierig zu sagen, diese Person gehört gecancelt – verbannt, vergessen, gelöscht. Oder: der Film oder die Musik gehen gar nicht mehr. Müssen wir schnell vergessen. Ich find‘ gleichzeitig unheimlich dumm und unheimlich klug, was ich von Menschen wie Jonathan Glazer wahrnehme. Aber eines gilt immer. Sie schenken mir: Denkanstöße. Und das ist – find‘ ich – das Wichtigste an der Cancel Culture: sich kritisch mit Dingen auseinandersetzen. Also bitte alles ganz im Sinne der Bibel: nachdenken, das Gute behalten und das Schlechte: löschen. Aber eben erst: nachdenken.



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