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Kirche in WDR 2 | 27.03.2024 | 05:55 Uhr

Normal wech

„Der ist ganz normal wech“ – Diesen Ausspruch kenne ich aus meiner Kindheit am Rande des Ruhrgebiets. Damit war ein Mensch gemeint, der nicht abgehoben ist und das, obwohl er prominent oder reich ist. Obwohl er Pfarrer ist oder Bürgermeisterin, Steiger oder gar eine „von und zu“.

„Der ist ganz normal wech“ - Ich glaube, das hätten manche auch über Jesus gesagt, wenn er bei seinen Reisen mal durchs Ruhrgebiet gekommen wäre. „Der ist ganz normal wech“, weil Jesus keine Sonderrechte einfordert, sondern genauso unbequem lebt, wie die anderen Menschen, die mit ihm durch die Lande ziehen. Und das, obwohl er ja durchaus einen Promistatus hatte, zumindest würde man das heute wohl so nennen. Es sprach sich wie ein Lauffeuer rum, wenn er in ein Dorf kam. Und direkt waren Hunderte, Tausende versammelt. Und dann: Nichts mit rotem Teppich, eher Staub an den Füßen und im Gesicht.

In der Bibel wird uns vieles über Jesus erzählt. Und so manches eben auch nicht. Nicht alles wurde aufgeschrieben. Nicht alles wurde weitererzählt. Nicht alles erinnert. Mal aus Vergesslichkeit, mal weil man es vielleicht nicht wichtig fand, womöglich auch aus Kalkül, weil man Jesus so darstellen wollte, wie es einem Recht war. Und weil da so viele Lücken in seinem Lebenslauf sind, haben sich immer schon Menschen Gedanken darüber gemacht, wie er wohl sonst noch so war. Was er sonst noch erlebt hat. Wer so dabei war, wenn er durch die Lande zog.

Vor einiger Zeit war ich im Kloster Arenberg, bei Koblenz, zu Gast. Und in der Kirche dort bin ich über eine Kreuzwegdarstellung gestolpert, die wohl genau von diesen Fragen inspiriert ist. Sie zeigt Jesus und Veronika. Von Veronika lesen wir zum Beispiel nichts in der Bibel. Und dennoch finden wir sie in fast jedem Kreuzweg dargestellt. Als die Frau, die Jesus ein Tuch reicht, damit er sich den Schweiß von der Stirn wischen kann auf dem beschwerlichen Weg mit dem Kreuz nach Golgatha. Ich kannte diese Darstellungen bisher eher so, dass da eine Frau schüchtern ein Tuch hinhält, so von der Seite. Oder von unten kniend. Dort im Kloster Arenberg sehe ich die Szene ganz anders: ich sehe zwei Menschen in einer innigen Umarmung. Veronika und Jesus halten sich fest, die Köpfe eng aneinander. Ganz nah, ganz vertraut. Ganz normal wech für zwei, die sich gut kennen. Für zwei, die sich trösten. Für zwei, die sich brauchen.

Und gerade deshalb hat es mir diese Darstellung so angetan: Weil sie daran erinnert, dass wir Menschen bedürftig sind. Dass wir, egal, welche Stellung wir innehaben, welchen Reichtum, welche Prominenz, einander brauchen, auch im Trost. Keiner kommt ohne andere Menschen klar. Nicht mal Gottes Sohn höchstpersönlich.

In dieser Karwoche denke ich deshalb gerne an diese Darstellung von Jesus und Veronika. Und denke dabei an die Menschen, die mit mir unterwegs sind. Die ich brauche. Die mich brauchen. Vielleicht sage und schreibe ich es einigen dieser Tage sogar. Ganz unverblümt, ganz normal wech.


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