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Kirche in WDR 2 | 16.05.2024 | 05:55 Uhr

Für die Feinde

Als ich die Zelle aufschließe, begrüßt mich ein junger Mann freundlich.

Ich bin evangelischer Pfarrer in einem Gefängnis.

Er hat mir geschrieben und um Besuch gebeten.

Nichts Ungewöhnliches. Alltag in einem Gefängnis.

«Büro oder Kirche» frage ich noch, weil ich den Gefangenen zum Gespräch mit in mein Büro oder eben in die Kirche nehmen kann.

Ein sicherer, vertraulicher Ort, ein offener Ort im Knast, der notwendigerweise auf Kontrolle und Sicherheit angelegt ist.


Der junge Mann weiß: Er kann hier keinen Blumentopf gewinnen, wie man so sagt. Es nützt ihm nichts für seine vollzugliche und juristische Bewertung. Nichts aus diesem Kontakt wird für ihn vollzuglich verwertbar sein. Es ist ein Kontakt an sich, nicht um zu.

Er möchte in die Kirche, in der er noch nicht war. Er ist zum ersten Mal im Gefängnis und noch nicht lange da.


Dazu muss man wissen: Für die allermeisten Erstinhaftierten ist der Knast ein Schock. Die Tat, wenn es sie denn gab, das Opfer, die Schuld, die Freundin, die Familie, die Arbeit. Und dann der Lärm. Die Brüllerei an den Zellengittern, um sich von Haus zu Haus zu verständigen. Die Türen, die keine Klinken haben. Zeit, die tropft. Schuld, Angst, Scham und Ungewissheit. Nicht zu vergessen: Erfahrene Mitgefangene, die den Neuen bedrohen, erpressen, mobben. Manchmal kann der Vollzug das verhindern. Oft nicht.

Wir gehen in die Kirche.


Irgendwann fragt er, ob wir zusammen beten können. Wir beten. Ich spreche. Er spricht.

Und ich höre, wie er für die Mitgefangenen bittet, die ihn beleidigen, die ihn erpressen, die ihn bedrohen.


«Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen; segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.» (Luk.6,27f). Sagt Jesus im Lukasevangelium.


Tja. Die Liebe bei der Feindesliebe finde ich ja nach wie vor hart an der Grenze der Zumutung. Akzeptanz? Ja. Zubilligung von Würde? Ja. Liebe? Puuh. Kann ich und – ehrlich gesagt – will ich auch nicht. Beten. Ja! Bitten für die Feinde. Wie der junge Gefangene? Ja.

Ich bedanke mich für das Gespräch. Und bringe ihn zurück in die Zelle.



Redaktion: Pastorin Sabine Steinwender-Schnitzius

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