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Kirche in WDR 3 | 06.05.2014 | 07:50 Uhr

Der Geh-hin-Mensch

Für Fischer ist der See Lebensgrundlage. Ihr Beruf ist ein Geh-hin-Beruf. Sie müssen sicheren Boden verlassen und sich auf einen schwankenden Grund begeben. Ihre Hauptarbeit ist zudem in den Abendstunden, wenn sie die Netze auswerfen und in den Morgenstunden, wenn sie die Netze wieder einholen. So habe ich Fischer oft am See Genezareth beobachtet.

Guten Morgen, liebe Zuhörerin, lieber Zuhörer!

Ich habe eines Tages verstanden, warum Jesus Fischer in seinen Schülerkreis gerufen hat. Er suchte „Geh-hin-Menschen“. Der verstorbene Kölner Kardinal Höffner hat einmal bedauert, dass die Kirche zu einer „Komm-her-Kirche“ verkommen sei. Sie müsse sich wieder bekehren und eine „Geh-hin-Kirche“ werden. Oder eine „Geh-mit-Kirche“ werden, die mit Menschen das Leben teilt und sich nicht in Pfarrbüros verkriecht. In unseren Breiten ist die Geh-hin-Kirche vor allem in der Krankenhausseelsorge gegenwärtig, kaum noch in der Verwaltungsgröße „Pfarrei“.

Jesus suchte Menschen, die den Mut hatten, Sicheres zu verlassen und sich auf das Abenteuer des Dunklen, Unsicheren einzulassen. Bei Fischern, bei Hirten und auch in seinem eigenen Beruf, bei Zimmerleuten, fand er Menschen, die hinausgehen

m u s s t e n, um sich und anderen das tägliche Brot zu besorgen.

Am See Genezareth, auch galiläisches Meer genannt, führte eine wichtige römischen Handelsstraße vorbei, die „Via maris“, die Straße, die vom Mittelmeer am See entlang in Richtung Damaskus führte.

Es gab im Bereich von Kafarnaum eine große Quelle und einen Wasserfall. Gerade dieser Wasserfall eignete sich hervorragend, dort Netze zu waschen. Er war also ein Treffpunkt für die Fischer und ihre Mitarbeiter. Jesus konnte an diesem Wasserfall Menschen treffen, die um die Unberechenbarkeit des Lebens wussten und auch, dass längst nicht alles in ihrer Hand lag.

Aber genau diese Menschen suchte der Rabbi von Nazareth. Es war ihm offenbar nicht so wichtig, ob sie theologisch und religiös „gut drauf“ waren. Ihm kam es auf ihren Mut und ihre Bereitschaft an, sich auf Unsicheres, Schwankendes, einfach Neues im Namen Gottes einzulassen. „Fürchtet euch nicht!“ war ein häufiges Wort von ihm. Habt keine Angst, Schaden zu leiden, ich bin doch da! Jesus wollte „Kundschafter“ einer anderen Welt, deren Hauptsache nicht „Sicherheit“ war: Vom Königtum Gottes sprach er. Und lebte ihnen dabei vor, dass sie mit Konflikten rechnen mussten.

Jesus wollte den Tempel, wie es alte, prophetische Hoffnung war, zu einem „Haus des Gebetes für alle Völker“ machen. Für Priester aber kam das einer Gotteslästerung gleich. Im Hintergrund tauchte eine Aussage auf, die auch wir heute manchmal aus amtlichen Kreisen hören: „Wir sind noch nicht so weit!“ Mit diesem Satz werden bis heute alle unliebsamen Vorschläge abgeschlagen, oder auf den St. Nimmerleinstag verschoben. In Fischern vom See Genezareth in ihrer ganzen Unterschiedlichkeit, fand Jesus „Menschenfischer“. Die stimmten ihm zu: „Wir sind so weit!“ Sie waren bereit, über ihre kleinen Grenzen hinaus zu gehen. Sie folgten dem Wort „Wir sind soweit“, weil Jesus soweit war. Und er war soweit, weil sein Gott soweit war, wie er glaubte. Er wollte mit ihnen und - heute mit uns - seine neue Welt bauen. In dieser Welt, die er als Gottes Welt verstand, war und ist ein zentraler Satz:

„Fürchtet euch nicht! Denn seht, ich bin bei euch, bis alle in dieser neuen Welt Frieden gefunden haben.“

Dass sie heute mutige Schritte ins Ungewisse dieses Tages tun, aber behütet und gesegnet sind, wünscht Ihnen Pfarrer Wilhelm Bruners aus Mönchengladbach.

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