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Choralandacht | 23.01.2016 | 07:50 Uhr

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Lobet den Herren, den mächtigen König der Ehren (eg 317)

Autorin: Zwischen Mettmann und Erkrath, zehn km östlich von Düsseldorf liegt ein kleines Tal. Seit etwa 200 Jahren wird es "Neandertal" genannt.

Seinen Namen erhielt es von einem Mann, der im 17. Jahrhundert für knapp fünf Jahre als Rektor an der Lateinschule in Düsseldorf wirkte: Joachim Neander. Auch evangelischer Theologe und Prediger. In seiner Freizeit zog er sich oft in diese Schlucht zurück, hing seinen Gedanken nach oder traf sich dort mit Gleichgesinnten, um Gott zu loben und in der Bibel zu lesen.

Viel ist über sein Leben nicht bekannt. Irgendwann um 1650 herum wurde er in Bremen geboren. Dort studierte er Theologie und verdiente anschließend eher schlecht als recht seinen Lebensunterhalt an verschiedenen Orten in Deutschland. Joachim Neander war nie verheiratet und starb bereits mit 30 Jahren - vermutlich an der Pest. Er hinterließ keine Nachkommen, dafür aber ein in aller Welt bekanntes Lied.

Musik1: Choral Strophe 1- Büro Archiv Nr.18 /Track 16

Sprecher: Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren,

meine geliebete Seele, das ist mein Begehren.

Kommet zuhauf, Psalter und Harfe, wacht auf,

lasset den Lobgesang hören!

Autorin: "Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren" - vermutlich ist kein anderes deutsches Kirchenlied in so viele Sprachen übersetzt worden. Auch hierzulande ist es immer noch sehr bekannt, vor allem natürlich in der evangelischen Kirche. Nicht selten schmettern da Posaunen den langen Melodiebogen von der Empore in die Gemeinde hinab...und vielen geht das Herz auf.

Aber es gibt inzwischen auch eine ökumenische Fassung. Als der Papst 2011 nach Deutschland kam und auf dem Domplatz in Erfurt eine große Messe feierte, da durfte dieses Lied nicht fehlen - so populär ist es inzwischen auch bei vielen Katholiken.

Dabei hatte Joachim Neander das Lied "Lobe den Herren" ursprünglich gar nicht für den Gottesdienst geschrieben. Er veröffentlichte 1680 in Bremen eine Sammlung mit 58 Glaubensliedern, die er eher so für den Hausgebrauch der Gläubigen gedichtet hatte. Einige wenige jedoch fanden im Laufe der Zeit Eingang in unser Gesangbuch. "Lobe den Herren" ist mit Abstand das Populärste davon.

Musik 1: Choral Strophe 2: Büro Archiv Nr.18 /Track 16

Sprecher: Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret,

der dich auf Adelers Fittichen sicher geführet,

der dich erhält, wie es dir selber gefällt;

hast du nicht dieses verspüret?

Autorin: "Lobe den Herren, der alles so herrlich regieret" - das sind große Worte und Bilder.

Gott, als Herr, als mächtiger König der Ehren, der regiert, der sicher führt - ich glaube, ich bin nicht die Einzige, die mit solch einem Gottesbild ihre Probleme hat.

Dass Gott unsere Welt regiert...und dann noch so herrlich...das hinterfragen heute schon 8-jährige Kinder. Geld regiert die Welt - heißt dagegen ein sehr bekanntes Sprichwort. Das beschreibt die Realität wohl viel besser.

Joachim Neander war theologisch anders geprägt. In jungen Jahren traf er auf Menschen, die zum Pietismus gehörten: Sie wollten ihren Gottesglauben intensiv und innig leben. Sie wünschten sich eine von Herzen kommende Beziehung zum großen Gott, voller Gefühl und Hingabe. Die eigene Seele möge zu Gott aufschauen, seine Machtund Herrlichkeit erkennen und mit ganzem Herzen, mit aller Inbrunst danken und loben.

Mir geht es da anders. Gott ist für mich kein mächtiger Herrscher und König, der alles gut macht. Gott wirbt um uns, um unsere Mithilfe. Er braucht uns, z.B. jetzt angesichts der vielen, vielen Flüchtlinge auf dieser Welt. Gott braucht Menschen, um Not zu lindern, um Gerechtigkeit wachsen zu lassen. Jesus hat das gute Leben vorgelebt. Wir dürfen ihm nachfolgen. Das ist Gottes Auftrag für uns.

Musik 1: Choral Strophe 3: Büro Archiv Nr.18 /Track 16

Sprecher: Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet,

der dir Gesundheit verliehen, dich freundlich geleitet.

In wie viel Not hat nicht der gnädige Gott

über dir Flügel gebreitet!

Autorin: Dieses Lied ist aber auch voll von wunderschönen Bildern, in die ich gerne eintauche, in denen ich gerne bade: "Lobe den Herren, der künstlich und fein dich bereitet" - was für eine altertümliche und doch wunderschöne Formulierung. Jedes Mal wenn ich ein Neugeborenes sehe, fällt sie mir ein: Wie vollkommen sie geschaffen sind, wie fein bereitet - was für eine Kunst, was für ein Geheimnis!

Und die Erfahrung, dass Gott seine Flügel ausbreitet, um Not von uns fern zu halten, die habe ich auch oft schon gemacht. Neander besingt hier den gnädigen, den schützenden Gott.

Viele Menschen müssen sich in den letzten 300 Jahren in diesen Bildern wieder gefunden haben, sonst wäre das Lied nicht in 30 Sprachen um die Welt gezogen, sonst wäre es nicht von vielen großen Künstlern aufgegriffen und bearbeitet worden.

Johann Sebastian Bach hat das Lied von Joachim Neander zu einer herrlichen Kantate verarbeitet. Aber es findet sich auch in nichtkirchlichen Liederbüchern. Leider wurde es da auch gerne auch national-patriotisch vereinnahmt. 1892 bei der Grundsteinlegung des Denkmals für Kaiser Wilhelm den Ersten in Thüringen wurde es auf dem Kyffhäuser gesungen - in Gegenwart des Kaisers und zig tausend herbeigeströmter Soldaten.

Mir ist nicht bekannt, dass Kirchenleute dagegen protestiert hätten. Denn die Vorstellung einer starken Obrigkeit, die die Kirche schützt und die auch von der Kirche rückhaltlos mitgetragen wird - die enge Verbindung also von Thron und Altar - entsprach lange - viel zu lange - der protestantischen Tradition.

Musik 1: Choral Strophe 4: Büro Archiv Nr.18 /Track 16

Sprecher: Lobe den Herren, der deinen Stand sichtbar gesegnet,

der aus dem Himmel mit Strömen der Liebe geregnet.

Denke daran, was der Allmächtige kann,

der dir mit Liebe begegnet!

Autorin: Mitte August 1856. Arbeiter in einem Steinbruch im Neandertal bei Düsseldorf entdecken seltsame Knochenfragmente, die sie erst achtlos fortwerfen, später aber untersuchen lassen.

Das Ergebnis ist eindeutig: Es handelt sich um einen vor 30.000 Jahren ausgestorbenen Verwandten des heutigen Menschen.

Neandertaler wurde er genannt. Nach seinem Fundort.

Joachim Neander, der Namensgeber dieses Tales starb bereits 1680. Er hinterließ dieser Welt ein Lied, dass seitdem Hunderttausende von Menschen im Leben begleitet und im Glauben bestärkt: "Gott ist dein Licht...Seele vergiss es ja nicht".

Musik2: Bach Kantate BWV 137, Track 13 5. Strophe

Musikinformation:

Musik I.

CD-Name: Dein Wort ist mein Lied

Titel:Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren

Track-Nr.16

Text:J oachim Neander 1680

Melodie: 17. Jh., geistl. Stralsund 1665, Halle 1741

Chor: Kantorei der Christuskirche in Detmold

Leitung: Burkhard Geweke

Verlag: Lippische Bibelgesellschaft e.V., Detmold

Label: 12029

LC-Nr. GENUIN

Musik II:

CD-Name: Bachkantaten BWV 137 "Lobe den Herren"

Titel: Lobe den Herren, den mächtigen König

Track-Nr.: 13

Text: Joachim Neander

Melodie: Johann Sebastian Bach

Chor: Thomanerchor Leipzig, Gewandhausorchester Leipzig

Leitung: Hans-Joachim Rotzsch

Verlag: 1996 "edel" byartephonMusikproduktion GmbH

Label: BERLIN Classics

LC-Nr.: 06203

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