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Kirche in WDR 3 | 22.09.2016 | 07:50 Uhr

„Was ist das Maß?“

Guten Morgen!

„Gibt es auf Erden ein Maß?“ Es ist die simple Frage eines großen Dichters, Friedrich Hölderlin, die mich fasziniert, aber auch verstört. Was ist das Maß zwischen dem Zuviel und Zuwenig? Wer sagt mir, ob ich unmäßig bin – etwa beim Essen oder Arbeiten? Wie finde ich heraus, ob meine Erwartungen, meine Ansprüche an mich selbst und an andere berechtigt sind oder maßlos überzogen? Habe ich noch ein Gespür dafür, ob meine Ziele, meine Wünsche, mein Begehren angemessen sind oder ob sie alle Maße des Ausgewogenen, Vernünftigen, Anständigen sprengen?

Selten ist über die Tugend des Maßhaltens so viel geschrieben worden wie in den letzten Jahren, als die Maßlosigkeit an den Finanzmärkten ihr wahres Gesicht gezeigt und eine ganze Weltwirtschaft ins Wanken gebracht hat. Aber es ist ja nicht nur die Habgier einiger Spekulanten, die für eine Weile am Pranger standen. Es scheint ein ungeschriebenes Gesetz unserer Leistungsgesellschaft zu sein, in immer kürzerer Zeit immer mehr erreichen oder leisten zu wollen. Ist es der Wettbewerb, der Konkurrenzkampf, der Erfolgsdruck, der ständig dazu antreibt? – oder einfach der subtile Wunsch nach Selbstbestätigung, sich insgeheim sagen zu können: „Du kannst es! Du bringst es! Du bist wer!“

Sich mit anderen zu messen: höher, schneller, weiter – ob im Sport oder in der Schule, im Beruf wie im privaten Umfeld. … Das ganze Leben, im Privaten wie im Gesellschaftlichen, scheint nach eben diesen Regeln abzulaufen. Das mag man bedauern, denn wo es Gewinner gibt, da gibt es auch Verlierer. Aber der Anreiz, besser zu sein als der andere: cleverer, beliebter, erfolgreicher … – all das ist auch Antrieb für jede Art von Innovation und Motor jedweden Fortschritts. Doch keiner fragt, wohin wir denn fortschreiten – und ob wir dort überhaupt hin wollen.

„Halt an, wo läufst Du hin!“ Mit diesem Aufruf hatte Johannes Bours, ein geistlicher Lehrer unserer Tage, die Geschäftigkeit seiner Zeitgenossen einst in Frage gestellt. Denn die Schnelligkeit des Laufens sagt ja noch nichts über die Richtung und die Richtigkeit des Agierens. Es gibt schließlich auch das geistlose Mitlaufen. Mit Volldampf im Leerlauf. Zu fragen bleibt daher immer: Stimmt die Richtung und stimmt das Maß?

In der Bibel lese ich eine ganz andere Logik des Maßhaltens: Da geht es um die Frage, ob ich andere wertschätze, vorurteilslos und ohne Hintergedanken. Ob meine Großzügigkeit so ganz ohne Berechnung ist. Ob meine Liebe wirklich absichtslos ist. „Nach dem Maß, mit dem ihr messt“, heißt es da, „wird auch euch zugemessen werden. In vollem gehäuften, überfließendem Maß wird man euch beschenken.“ (Mk 4,24) Das ist schlicht der Maßstab Jesu, der da schlicht heißt: „Du sollst Gott lieben und den Nächsten wie dich selbst.“ (vgl. Lk 10,27) Darin finde ich das rechte Maß für mein Denken, Reden und Handeln. Oder mit dem Kirchenlehrer Augustinus: „Liebe – und tu, was du willst“.

Das wäre doch eine gute Faustformel – nicht nur für den heutigen Tag.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende in Dortmund.

Kommen Sie gut durch diesen Tag!

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