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Kirche in WDR 3 | 04.11.2017 | 07:50 Uhr

Brauchen wir einen gnädigen Gott?

Guten Morgen!

„Gnädige Frau war gestern“, las ich kürzlich in einer Zeitschrift. Und die Zeiten, in denen Untergebene ihren Vorgesetzten einen „gnädigen Herrn“ nannten, sind auch lange vorbei. Wir sind heute selbstbewusst genug. Wir wissen, was wir können und was uns zusteht, und wir erwarten zu Recht Respekt und faire Behandlung, keine Gnadenerweise nach Gutsherrenart.

Der Begriff der Gnade, so scheint es, ist überhaupt irgendwie aus der Mode gekommen, auch in der Religion. Wer braucht heute eigentlich noch einen „gnädigen Gott“? – Um diese Frage hat Martin Luther einst mächtig gerungen: „Wie bekomme ich einen gnädigen Gott?“ Anders formuliert: Was kann ich machen, um Gott gnädig zu stimmen? Was für Gebete soll man verrichten, wie viele Opfer bringen, welche Buße tun, um den strengen Gott, wie Luther meinte, zu besänftigen?

Uns heutigen Christen liegt diese bedrängende Gottesvorstellung eher fern. Uns ist das Bild Jesu vom „barmherzigen Vater“ so vertraut, der den verlorenen Sohn, der auf Abwege geraten ist, umarmt und in Freuden aufnimmt. Wir glauben an einen Gott, der nicht verdammt, sondern verzeiht. Der nicht argwöhnisch jede böse Tat rächt, nicht jedes schlechte Wort und jeden krummen Gedanken auf die Goldwaage legt, sondern auf unser Herz sieht, unseren guten Willen.

Was Martin Luther einst in Angst und Schrecken versetzte, ist heute längst einem überlegenen Gefühl der Berechenbarkeit der Welt gewichen. Wir nehmen unser Leben selbst in die Hand und brauchen scheinbar nicht auf überirdische Mächte hoffen. Wir können die Wetterphänomene und Naturkatastrophen erklären, wir bekämpfen Krankheiten und Seuchen mit den Mitteln der modernen Medizin, und wenn Menschen zu verelenden drohen, dann müssen wir das mit Mitteln der Politik und der Sozialversicherungssysteme regeln.

Nur den Tod, wenn er denn kommt, haben wir noch nicht im Griff. – Aber, so frage ich mich: Haben wir denn unser Leben “im Griff“? Allein schon, dass es mich gibt, verdanke ich nicht mir selbst. Meine Eltern habe ich mir nicht ausgesucht, auch nicht mein Aussehen, meinen Charakter, meine Neigungen. Was wäre ich ohne das Zutun so vieler Menschen, die mich geprägt, mir Türen ins Leben geöffnet, mir ihre Zuneigung und ihr Vertrauen geschenkt haben! Und wenn ich denke, wie viele Umwege ich genommen habe, auf wie viele Abwege ich im Laufe meines Lebens geraten bin, und dass mir immer wieder ein neuer Anfang geschenkt worden ist. Nein, ich darf mir eingestehen: Nicht ich habe mein Leben im Griff, es ist ein Geschenk Gottes, dass ich bin, der ich bin, auch mit meinen Unzulänglichkeiten, meinen Grenzen, meinem Versagen. Ich muss daran nicht verzweifeln.

Und auch die ersten Christen wussten (1 Joh 3,20): „Wenn das Herz uns auch verurteilt – Gott ist größer als unser Herz“. Wir leben aus der Vergebung Gottes, aus seiner Gnade. Das war die grundstürzende Erkenntnis Martin Luthers: Gott ist wirklich ein verzeihender, ein „gnädiger Gott“. Solches Wissen macht demütig und zutiefst dankbar. Damals wie heute. Jene Ahnung, dass wir uns der barmherzigen Liebe Gottes verdanken, selbst wenn wir ihn noch gar nicht kennen, beschreibt Chiara Lubich, eine Meisterin des geistlichen Lebens, einmal in ihrem Tagebuch. Es ist wie eine Liebeserklärung an den „gnädigen Gott“:

Sprecherin:

Ich liebe dich, weil du viele Jahre lebtest mit mir, und ich aus dir.

Ohne es zu merken, trank ich aus deinem Gesetz.

Ich hab mich davon genährt, daran gestärkt, mich wieder aufgerichtet;

doch ich war unwissend wie ein Kind, das von der Mutter trinkt

und sie noch nicht zu rufen weiß mit ihrem wunderbaren Namen.

Gib mir für die Zeit, die mir noch bleibt, dir dankbar zu sein für diese Liebe,

mit der du mich überschüttet hast und die mich drängt, dir zu sagen:

Ich liebe dich.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund.

Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

Aus: Chiara Lubich, Alle sollen eins sein, Verlag Neue Stadt, 1995.

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