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Kirche in WDR 3 | 30.10.2017 | 07:50 Uhr

Mit Luther zum Papst

Guten Morgen!

Es ist fast auf den Tag 500 Jahre her, seit Martin Luther, ein 34-jähriger Mönch in Wittenberg, seine Kritik an der Verwahrlosung der Kirche veröffentlichte. Zu der Zeitvgab es in der Kirche eine außerordentlich missliche Konstellation: Der Papst brauchte Geld für den Neubau der Peterskirche in Rom, und ein ehrgeiziger Erzbischof in Brandenburg, musste seine gewaltigen Schulden abzahlen. Die hatte er aufgenommen, um sich durch Bestechung ins Amt zu kaufen. Da kam den beiden die abwegige Geschäftsidee, den Leuten gegen Geld das ewige Heil zu versprechen. Ein verheerender Missbrauch geistlicher Vollmacht.

Es war der sogenannte Ablasshandel, der jenen frommen Mönch Martin Luther so in Rage brachte. Ihm ging es um die Erneuerung des christlichen Glaubens – nicht ums Geld. Aber selbst Luthers Schutzherr, der Kurfürst von Sachsen, war hinter dem Geld her: Er besaß eine kostbare Reliquiensammlung, deren Schau mit reichlichen Ablassgnaden verbunden war und zahlende Pilger anzog. „Die unliebsame Konkurrenz auf dem Heilsmarkt“, der evangelische Theologe Thomas Kaufmann, „drohte sein eigenes Angebot zu entwerten.“ Diese Verquickung von geistlichen, privaten und sehr weltlichen Interessen führte schließlich zum Auseinanderbrechen der Einheit des christlichen Abendlands. Unter der Trennung der Kirchen leiden wir noch heute.

Am treffendsten hat ausgerechnet ein Heiliger der katholischen Kirche, Klemens Maria Hofbauer die Misere der damaligen Zeit auf den Punkt gebracht: „Die Reformation musste kommen, weil die Deutschen das Bedürfnis hatten, fromm zu sein.“ Darin offenbart sich die ganze Tragik, dass die Zeiten nicht so waren, dass man in der Kirche fromm sein konnte! Mit seinen Thesen wollte Martin Luther, daran erinnern, dass man sich den Himmel nicht verdienen und auch nicht kaufen kann. Dass der Glaube ein Geschenk ist, ungeschuldet und unverdient: Gott wirkt unser Heil, und wir dürfen aus seiner Gnade leben und mit unserem Leben davon Zeugnis geben.

Heute wissen wir das. Und es ist großartig, dass sich evangelische und katholische Christen darin einig sind. Umso erschütternder ist es, dass gerade jene Landstriche, in denen fromme Menschen einst die Reformation herbeisehnten, heute weithin entchristlicht sind: weiße Flecken auf der Landkarte. Katholische und evangelische Christen befinden sich dort gemeinsam in der Diaspora, in einem Land, in dem die überwiegende Mehrheit Gott nicht kennt.

Aber es gibt Hoffnung. Denn aus Ostdeutschland sind im letzten Herbst rund 1000 Jugendliche zu einer ökumenischen Wallfahrt nach Rom aufgebrochen: „Mit Luther zum Papst“, so das Motto, über das sich der fromme Mönch aus Wittenberg sicher gewundert hätte. Immerhin hatte er den Papst sogar für den ‚Antichrist‘ gehalten. Und vermutlich hätte er noch mehr gestaunt über Papst Franziskus, der die Jugendlichen aufforderte, sich gemeinsam für eine Welt zu engagieren, die auf das Zeugnis der Christen wartet. „Indem wir den Bedürftigsten dienen“, so der Papst, „erfahren wir, dass wir bereits vereint sind. Die Barmherzigkeit Gottes eint uns“. Und scherzend fügte er hinzu: „Ich möchte auch eine Frage stellen: Wer ist besser? Die Evangelischen oder die Katholischen?“, um gleich selber die Antwort zu geben: „Besser sind alle zusammen.“

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund.

Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

* Thomas Kaufmann, Martin Luther, München 4. überarbeitete Auflage 2016, S. 48.

** Zitiert nach: H. Schermann (Hg.), Klemens Maria Hofbauer, Profil eines Heiligen. Wien 2001, S. 28.

***Zitiert nach Radio Vatikan: http://de.radiovaticana.va/news/2016/10/13/papst_empf%C3%A4ngt_junge_%C3%B6kumenische_luther-pilger/1264808, abgerufen am 16.08.2017, 15:00 Uhr.

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