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Kirche in WDR 3 | 15.01.2018 | 07:50 Uhr

Martha

Montagmorgen – die Arbeitswoche liegt vor mir. Ich gehe die kommenden Tage in meinem Terminkalender durch und checke meine To-Do-Liste. Es ist viel zu tun: Zwei angefangene Projekte müssen noch schnell beendet werden; Gespräche mit Kollegen und Vorgesetzten stehen noch aus, dann noch einige Besuche und all das, was sich zwischendurch ergibt und sofort bearbeitet werden muss - just in time. Aber auch privat ist einiges zu tun. Als Mutter eines neunjährigen Sohnes muss ich auch dessen Termine verwalten: Schule, Sport, Friseur, Freunde. Und dann möchte ich natürlich noch etwas für meine Work-life-Balance tun: meine täglichen Yoga-Übungen, ein Spaziergang mit meinem Lebensgefährten, eine Tasse Kaffee mit meiner Freundin. All das will in Einklang miteinander gebracht werden und dabei habe ich manchmal das Gefühl, alles bleibt an mir hängen. Manchmal frage ich mich dann: Wer hilft mir eigentlich?

So viel will erledigt werden - und alles ist so wichtig. Kaum eine Minute Zeit, um durchzuatmen.

So wie bei Martha. Sie steht in der Küche und bereitet das Essen vor. Eine wichtige Aufgabe - schließlich ist Jesus selbst Gast in ihrem Haus. Und da muss schon etwas Besonderes auf den Tisch. Sie hat gar nicht genug Hände, um alles gleichzeitig zu erledigen. Sie ist allein. Wie sehr könnte sie jetzt die helfenden Hände ihrer Schwester Maria brauchen. Aber die sitzt ja bei Jesus und lauscht gebannt seinen Ausführungen. Sie hängt geradezu an seinen Lippen. Als gäbe es im Moment nichts Wichtigeres für sie zu tun.

Unmöglich kann Jesus solch ein Verhalten gutheißen. "Herr, macht es dir nichts aus, dass meine Schwester mich alles allein machen lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll", beschwert sich Martha bei Jesus. Auf ihren herausfordernden Blick erhält sie die überraschende Antwort: "Martha, Martha! Du bist so besorgt und machst dir Gedanken um so vieles. Aber nur eins ist notwendig: Maria hat das Bessere gewählt, das wird ihr niemand mehr wegnehmen."

Ich blicke von meiner To-Do-Liste auf und versuche mein Gedankenkarussell im Kopf zu beruhigen. Mit einer energischen Bewegung schiebe ich die Papiere auf die Seite. Ich wähle die Nummer eines befreundeten katholischen Kollegen. Die Gespräche mit ihm bleiben nie nur an der Oberfläche und sind meist Balsam auf meiner Seele. Ich nehme immer etwas mit, das bleibt.

„Hallo“, sage ich, als er abhebt. "Hast Du Zeit und Lust auf einen Spaziergang durch den Wald? Ich brauche mal ein Gespräch." Als ich den Hörer auflege, fällt mein Blick auf den Terminkalender auf meinem Computer. Zielsicher drücke ich "Schließen". Ich habe das Bessere gewählt und freue mich auf ein Gespräch, das noch lange nachhallen wird.

Gott befohlen! Ihre Johanna Krumbach, Pfarrerin in Augustdorf.

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