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Kirche in WDR 3 | 13.11.2020 | 07:50 Uhr

Honig im Kopf

Guten Morgen!

Ich glaube, ich habe auch ‚Honig im Kopf‘“, sagte mein Vater etwas betreten. Tags zuvor hatte er zusammen mit seinem Enkel den gleichnamigen Film angeschaut. Er handelt von der elfjährigen Tilda und Amandus Rosenbach, ihrem liebenswürdigen, aber vergesslichen und verwirrten Großvater. Als der zunehmend verwirrt ein immer größeres Chaos anrichtet, beschließt die Familie, ihn ins Pflegeheim zu geben. Einzig Tilda nimmt ihren Opa so, wie er ist und entführt ihn kurzerhand noch einmal nach Venedig, der Stadt seiner großen Liebe.

 

„Honig im Kopf“ ist eine berührende Tragikomödie, die ein ernstes Thema behandelt: die fortschreitende Demenz bei Alzheimerpatienten. Der Film zeigt sehr einfühlsam, wie eine Familie durch den Ausbruch der Krankheit an die Grenzen ihrer Belastbarkeit stößt, wie Konflikte entstehen und Beziehungen auf die Probe gestellt werden. „Als wäre alles verklebt“, beschreibt Amandus seiner Enkelin, wie er sich fühlt. Und während es für Niko, seinen Sohn, kaum zu ertragen ist, seinen Vater so hilflos zu erleben, ist es Tilda in ihrer kindlichen Unbefangenheit, die intuitiv und einfühlsam auf ihren geliebten Opa Amandus eingeht. Sein oft verstörendes Verhalten ist dabei von einer unfreiwilligen Komik, so dass man zugleich lachen und weinen möchte.

 

 „Honig im Kopf?“ Meinen hochbetagten Vater konnte ich übrigens beruhigen: „Sei unbesorgt“, habe ich gesagt. „Wer so nachdenkt und sich besorgt fragt, der hat nicht „Honig im Kopf“. Ich habe dann noch lange mit ihm über diesen Film gesprochen. Und über seine Frau - meine Mutter. Wie das ist, wenn der Mensch, den man über alles liebt, mehr und mehr „Honig im Kopf“ hat. Wie hilflos man sich fühlt, wenn aus dem Miteinander-Sprechen ein immer längeres Miteinander-Schweigen wird. Wenn der Mensch, mit dem man sein ganzes Leben geteilt hat, sich schleichend entzieht, für Außenstehende unerreichbar.

Ich sehe noch meinen Vater neben dem Sessel seiner Frau sitzen, später an ihrem Bett, stundenlang, um vielleicht doch noch einen wachen Blick von ihr zu erhaschen, ein liebendes Wort, eine Regung der Zärtlichkeit. In bangen Stunden fragte er leise: „Ist das noch die Frau, die ich geheiratet habe?“, während doch seine Liebe zu ihr nur umso größer wurde. Wer kann erahnen, was es bedeutet, wenn die eigene Frau nach fast 60 Ehejahren mehr und mehr in ihrer eigenen Welt lebt, ohne ein Wort des Abschieds und ohne Widerkehr.

In dem Kinofilm hatte der Kinderarzt Tilda erklärt, wie sie mit ihrem dementen Opa umgehen kann: „Er braucht Liebe und Verständnis. Das Gefühl, dass du ihn verstehst.“ Genau das konnte ich bei meinen Eltern beobachten; es war eine ergreifende Geste, vielleicht die letzte, zu der Mutter noch fähig war, als sie Vaters Hand nahm, sie sanft streichelte und einen Kuss darauf hauchte.

Die Liebe hört niemals auf. Prophetische Eingebung hat ein Ende, die Sprache des Herzens verstummt, Erkenntnis vergeht“, schreibt Paulus an seine Gemeinde. „Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am größten unter ihnen ist die Liebe.“ (1 Kor 13,8.13). - Was für eine Gnade, wer das auch am Ende seines Lebens noch sagen kann.

Ich bin Peter Klasvogt aus der Kommende Dortmund. Kommen Sie gut durch den heutigen Tag!

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