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Kirche in WDR 3 | 07.01.2021 | 07:50 Uhr

Türen öffnen

 „Ich dachte wir kommen in ein christliches Land und wir sind in ein Land der verschlossenen Türen gekommen.“ Das hat mir eine Ordensfrau aus Indien gesagt und dieser Satz hat mich damals tief getroffen.

Die Ordensfrau Sie hatte ihr Land verlassen, ihre Familie, ihr gewohntes Umfeld, nicht nur, um hier als Krankenschwester zu arbeiten, sondern auch um mit den Menschen zu leben. Sie wollte besonders auch denen beistehen, die Hilfe brauchen, und ihnen so Zeugnis von ihrer Hoffnung geben. Dass meine Heimat Deutschland ihr wie ein Land der verschlossenen Türen vorkommt, das hat mich getroffen, weil ich im Irak und Syrien so ganz andere Erfahrungen mache.

Seit Jahren bin zu Hilfseinsätzen ein- zweimal im Jahr im Shingal-Gebirge, bei der Volksgruppe der Jesiden. Eine ähnliche Aussage ist mir vor einigen Wochen beim Besuch einer irakischen Flüchtlingsfamilie begegnet. „Wir möchten so gerne mit deutschen Familien in Kontakt kommen, aber trotz allen Bemühungen finden wir keinen Zugang.“

Ob nun die indische Ordensfrau mit ihrem Wunsch Menschen zu Hause zu besuchen, oder der vergebliche Versuch der irakischen Familie deutsche Familien zu sich einzuladen - sie treffen auf verschlossene Türen.

Wie anders sind da die Erfahrungen, die ich bei meinen Besuchen im Irak und in Syrien mache. Die Erfahrungen der Gastfreundschaft, die mir dort geschenkt wurde, haben meinen Blick auf unser Zusammenleben hier in unserer Gesellschaft und selbst in unserer Kirche wirklich verändert. Bei den Jesiden ist Gastfreundschaft nicht nur ein heiliges Gesetz, sondern etwas, das so gelebt wird, dass man sich in der Fremde zu Hause fühlt. In den Familien, in die ich eingeladen werde, bin ich nicht nur Gast – ich gehöre dazu – ganz schnell, ganz ungezwungen.

Jede dieser Begegnungen ist mir präsent:  das gemeinsame Essen, das man auf dem Boden sitzend eingenommen hat und die Gespräche. Vor allem aber trage ich das Gefühl des Willkommenseins und des wirklichen Dazugehörens als großes Geschenk im Herzen.

Zurück in Deutschland höre ich dann bei Besuch einer irakischen Flüchtlingsfamilie fast genau dasselbe wie von der indischen Ordensfrau: „Wir möchten so gerne mit deutschen Familien in Kontakt kommen, aber trotz allen Bemühungen finden wir keinen Zugang.“

Und ich frage mich: wie konnte das kommen? Wie konnten wir das Gastrecht vergessen? Die und die Sorge um das Wohl des Fremden genauso wie um das der Schwester und des Bruders in der Gemeinde, kennt auch die jüdische-christliche Tradition als heiliges Gebot. Und ich wünsche mir so, dass diese Grundhaltung der Gastfreundschaft und der offenen Türen hierzulande Einzug hält. Wie viel Glaubwürdigkeit könnten wir als Christen gewinnen, wieviel menschlicher würde unsere Gesellschaft?

Sie und ich – wir können damit anfangen, Türen zu öffnen. In der christlichen Spiritualität gibt es die Sicht, dass mit jedem Gast Jesus selbst Wohnung nehmen könnte in einem Haus.

Aus Steinfurt grüßt Sie herzlich

Pfarrer Jochen Reidegeld


 

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